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Weltweit

Uni soll weggespart werden

D TT
2. Juni 2010 21:16 Uhr
191 Kommentare
Das Land Schleswig-Holstein muss sparen! Aus diesem Grund wurde eine Haushaltsstrukturkommission ins Leben gerufen, die ein Sparpaket schnüren soll. Einsparvolumen: 125 Millionen Euro pro Jahr.
Gekürzt wird überall: Die Polizei muss länger arbeiten, Kindertagesstätten
werden nicht mehr so sehr unterstützt und in Lübeck wird die Medizinische Fakultät „abgeschmolzen“. Ab dem Wintersemester 2011/12 wird es keine neuen Erstsemester für das Fach Medizin in Lübeck mehr geben. Für die meisten anderen der bundesweit 36 medizinischen Studienstandorten wäre dies wohl nicht weiter schlimm. Für Lübeck ist es verheerend. Hier ist die Medizin nicht nur historisch die Grundlage der Universität, hier ist sie mit allen Fächern eng verknüpft. Und zwar dermaßen eng, dass die Schließung der Medizinischen Fakultät gleichbedeutend mit der Schließung der Universität ist – die anderen Fakultäten sind allein nicht überlebensfähig.

Lübeck kämpft für seine Uni
Entsprechend groß war die Erschütterung von Universitätsverwaltung und Studierendenschaft, als am Abend des 25. Mai die so genannte „Giftliste“ der Haushaltsstrukturkommission veröffentlicht wurde. Allen Beteiligten war schnell klar, dass etwas getan werden muss. Der Allgemeine
Studierendenausschuss reanimierte noch in der gleichen Nacht die Internet-Seite www.luebeck-kaempft.de. In den darauf folgenden Tagen wurde fieberhaft weitergearbeitet: Plakate wurden gedruckt, Flyer wurden gefaltet, Studierendenschaft und die Bürger Lübecks wurden so umfassend wie möglich informiert.

FDP-Politiker Wolfgang Kubicki

Dabei spielte auch ein gewisses Quäntchen Glück eine große Rolle: Am Abend des 27. Mai hielt
Wolfgang Kubicki, der Vorsitzende der FDP-Landtagsfraktion und Mitglied der
Haushaltsstrukturkommission, eine Rede beim Verband der Selbstständigen und Freiberufler e.V. im Scandic-Hotel in Lübeck. Diese Chance konnten sich die Studenten nicht entgehen lassen und spontan wurde dazu aufgerufen, Kubicki vor dem Hotel zu empfangen. Einige Vertreter waren im Hotel beim Vortrag anwesend und stellten den Politiker auch gleich zur Rede.

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Politiker schlecht informiert
Dieser beantwortete zwar alle Fragen, blieb dabei aber ganz Politiker und präsentierte sich gleichzeitig erschreckend schlecht informiert. Trotzdem muss man ihm Mut zusprechen, denn am Ende der Veranstaltung trat er vor die rund 700 vor dem Hotel versammelten Studenten, die ihn mit einem Pfeif- und Rufkonzert empfingen. Mit dem Megaphon versuchte er, seine Position zu verteidigen, doch auch hier konnte er mit seinen schwachen Argumenten nicht punkten. Als Sieger gingen die Studenten vom Platz, die sich gleich noch zu einer Spontandemo zum Rathausmarkt formierten. Bei der dort abgehaltenen Kundgebung konnte Bürgermeister Bernd Saxe als Überraschungsbesuch empfangen werden, der den Studenten den uneingeschränkten Rückhalt der Stadt zusicherte.

Dabei ist es nicht nur die Universität, welche betroffen ist: Die ganze Region ist auf die Medizin und die Medizintechnik angewiesen – insgesamt über 10000 Arbeitsplätze sind daran geknüpft. Allein der wirtschaftliche Schaden wäre unabsehbar, da z.B. die Studenten auch Geld in die Kassen der Stadt, Vermieter etc. bringen.

Studenten gehen für ihre Uni auf die Straße

Geplant ist nun zunächst eine groß angelegte Demonstration zum Landeshaus in Kiel am 16. Juni 2010, bei welcher mehrere tausend Demonstranten werden erwartet. Auch im Angesicht des Ärztemangels in Deutschland ist eine Einsparung hier, klar an der falschen Stellen angesetzt.
Textquellen: © Susanne Himmelsbach
Bildquelle: © flickr.com/studentenpack
autor
24. Mai 2012 02:27 Uhr