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Schweinegrippe Spezial
D TT
14. November 2009 11:23 Uhr
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Das Experteninterview. Herr Professor Dr. med. Klaus Dalhoff, Pneumologe, hat newspoint.CC Rede und Antwort zur aktuellen Schweinegrippe, auch als H1N1 bekannt, gestanden.
Prof. Dr.med. Dalhoff
Herr Professor Dr. med. Klaus Dalhoff ist leitender Oberarzt und stellvertretender Direktor der Medizinischen Klinik III – Pulmologie des Universitätsklinikums Schleswig-Holstein Campus Lübeck.
Newspoint.CC: Herr Prof. Dr. Dalhoff, bei welchen Leitsymptomen sprechen die Ärzte von “ der Schweinegrippe”?
Prof. Dr. Dalhoff: Die Symptome der Schweinegrippe ähneln zum großen Teil der einer normalen saisonalen Grippe. Diese beinhalten u.a. Fieber, vor allem rasch ansteigendes, Muskel- und Gliederschmerzen, Kopfschmerzen, Übelkeit, Schüttelfrost und auch Appetitlosigkeit.
Newspoint.CC: Was ist der Unterschied zur normalen Grippe oder einer einfachen Erkältung?
Prof. Dr. Dalhoff: Eigentlich gibt es keinen offensichtlichen Unterschied zur normalen Grippe. Der Unterschied zur Erkältung ist der, dass diese meist in der Nasenschleimhaut beginnt, wohingegen eine Grippe mehr auf die Lunge geht.
Newspoint.CC: Warum stirbt man eigentlich an H1N1? Es ist doch nur ein bisschen Husten & Schnupfen…
Bei einer Superinfektion kommt es zu einer zusätzlichen Infektion; oft durch Bakterien verursacht, welche das vom Virus geschwächte Immunsystem ausnutzen, um sich anzusiedeln.
Prof. Dr. Dalhoff: Die schnelle Abwanderung der Grippeviren in die Lunge spielt hierbei die entscheidende Rolle. Oft kann es zu einer Lungenentzündung kommen. Die Sauerstoffzufuhr wird durch die Schleimentwicklung herabgesetzt und der Gasaustausch in der Lunge wird verhindert. Letztendlich stirbt der Patient dann durch Erstickung. Dies ist allerdings sehr selten und nur weniger als 0,1 % der Patienten sterben auf diese Weise. Häufig kann es auch zu einer sogenannten Superinfektion kommen. Dies ist der Fall, wenn das bereits geschwächte Immunsystem sich auch noch mit anderen Erregern auseinandersetzen muss und dies nicht mehr schafft.
H1N1 Virus
Prof. Dr. Dalhoff: Es ist in der Tat so, dass die jüngeren Menschen anfälliger für die Schweinegrippe sind als die älteren. Dies liegt schlicht und ergreifend daran, dass das Immunsystem der älteren Menschen schon mehr Erfahrung mit verschiedenen Grippeviren machen konnte. Dies ist bei den jüngeren natürlich nicht der Fall. Besonders anfällig sind auch chronisch Lungenkranke und solche mit einem allgemein schwachen Immunsystem.
Newspoint.CC: Wie kann ich einer Infektion durch H1 N1 vorbeugen? Gibt es bestimmte Nahrungsmittel die mein Immunsystem unterstützen oder mich vor der Infektion schützen?
Prof. Dr. Dalhoff: Auch hier gilt das, was bei anderen Grippeinfektionen auch gilt. Man sollte möglichst 1-2 Meter Abstand zu infizierten Menschen halten. Wenn man entsprechend häufig Kontakt mit infizierten Personen hat, bietet sich das Tragen von Mundschutzmasken an. Besondere Lebensmittel während einer Infektion zu essen lohnt sich nicht und hat keine prägnante Wirkung. Man kann also seinen normalen Verzehr beibehalten. Der Königsweg zur Vorbeugung ist ganz klar die Impfung gegen H1N1.
Eine Impfung erfolgt meist in den Oberarm
Newspoint.CC: Wie gefährlich ist denn nun die Impfung gegen die Schweinegrippe? Viele Menschen sind sich ja eher unsicher und lassen sich lieber nicht impfen.
Prof. Dr. Dalhoff: Diese Angst vor der Impfung ist unbegründet und birgt nicht mehr Risiken als andere Impfungen. Der einzige Unterschied zur normalen Grippeschutzimpfung, welche jährlich bereitgestellt wird, besteht darin, dass die Reaktionen etwas stärker auftreten können. Solche Reaktionen können sein: Rötungen um die Einstichstelle, temporär auftretende Kopf- und Gliederschmerzen, kurzfristige Müdigkeit, Unwohlsein…
Eine Impfung, vor allem rechtzeitig, ist zu empfehlen.
Newspoint.CC: Es gibt ja die normale, saisonale Grippeschutzimpfung. Kann man sich gegen beide, Schweinegrippe und saisonale Grippe, auf einmal impfen lassen? Ist das sinnvoll?
Prof. Dr. Dalhoff: Es sollte ein Abstand von circa 2-3 Wochen zwischen den Impfungen liegen. Es gibt zwar Menschen die sich gegen beide Versionen auf einmal impfen lassen, dies ist aber eher keine gute Wahl, da dies das Immunsystem extrem beansprucht. Die saisonale Grippe ist zurzeit von H1N1 verdrängt worden, sodass die Schweinegrippe die Impfpriorität haben sollte. Es kann natürlich passieren, dass sich dies später wieder ändert.
Mundschutzmaske
Newspoint.cc: Wenn in meinem Umfeld ein Schweinegrippefall aufgetreten ist, was sollte ich dann beachten? Sollte ich besondere Maßnahmen ergreifen?
Prof. Dr. Dalhoff: Hier gilt, sobald bei einem selbst grippeähnliche Symptome auftreten, ist der erste Gang zum Arzt. Tritt ein Schweinegrippefall beispielsweise in einem Kindergarten auf, so sollte das infizierte Kind natürlich zu Hause bleiben, um eine Infektion der anderen Kinder zu vermeiden. Sicherheitshalber sollten die Personen (Z. B. Erzieher/innen) im Umfeld des infizierten Kindes für die nächsten Tage Mundschutzmasken tragen. Ähnliches gilt für Schulen und Universitäten. Eine nicht erfolgte Impfung sollte nachgeholt werden. Für weitere Maßnahmen sind die Gesundheitsämter zuständig.
Newspoint.cc: Was passiert, wenn man sich doch angesteckt hat? Wie ist die Therapie und was sind Ihre Empfehlungen bei Infektion?
Prof. Dr. Dalhoff: Bei einem normalem Gesundheitszustand ist die Therapie, außer symptomatischer Behandlung, relativ einfach: nichts, auskurieren. Während der Infektion sollte man sich keinen größeren Belastungen, z.B. Sport, Wandern oder Schwimmen aussetzen. Desweiteren ist auch vom Rauchen und der Zunahme von Alkohol abzuraten. Wie zuvor erwähnt, kann man ansonsten die normale Kost zu sich nehmen.
Prof. Dr. Dalhoff beim Interview
Newspoint.CC: Wie sieht es mit der Inkubations- und Infektionszeit von H1N1 aus?
Prof. Dr. Dalhoff: Bei einem unkomplizierten Verlauf ist die Inkubationszeit bis zu einer Woche, wobei die Ansteckung schon Tage vor den ersten Symptomen beginnen kann.
Newspoint.cc: Was ist eigentlich aus H5N1 geworden?
Prof. Dr. Dalhoff: Es ist in der Tat etwas ruhiger geworden um die Vogelgrippe. Die Vogelgrippe ist im Vergleich zur Schweinegrippe viel schwieriger zu übertragen. Dies geschieht fast nur bei direktem Kontakt zu infizierten Vögeln. Dadurch entsteht eine gewisse Übertragungsbarriere, welche bei der Schweinegrippe wegfällt und durch die Luft übertragen werden kann.
Newspoint.CC: Die Fatalität bei der Vogelgrippe, H5N1, beträgt circa 66% und die Übertragbarkeit der Schweinegrippe ist dank Tröpfcheninfektion extrem hoch. Ist es möglich, dass diese beiden Formen sich mischen bzw. entsprechend mutieren?
Prof. Dr. Dalhoff: Dies ist theoretisch durchaus möglich. Für die Bevölkerung wäre ein Auftreten eines solchen Virus mit hoher Fatalität und hohem Infektionsrisiko der Supergau.
umfrage
Prof. Dr. Dalhoff: Ich denke, dass die akute Gefahr eher gering ist und bei vielen Berichten mehr Wert auf „Panikmache“ als auf Information gelegt wird. Dennoch darf man die Schweinegrippe nicht verharmlosen, auf gar keinen Fall. Ebenso wenig sollte man auf den Gang zu seinem Hausarzt verzichten. Das Problem ist, dass wir zur Zeit nur die erste Welle der Infektion sehen. Es kann später zu einer deutlich heftigeren Welle kommen, wie es auch bei bisherigen schwerwiegenden Grippen der Fall war.
Als abschließenden Punkt möchte ich die, leider, geringe Akzeptanz der Möglichkeit zu Impfung ansprechen. Jeder gesunde Mensch unter 60 Jahren sollte sich impfen lassen. Es ist die beste Möglichkeit dieser Infektion vorwegzukommen. Man darf sich nicht durch falsche Informationen verunsichern lassen und kann bei Bedenken diese offen mit seinem Hausarzt besprechen.
Newspoint.CC: Vielen Dank für das Interview und Ihre Zeit Herr Prof. Dalhoff.
Bildquelle: © flickr.com/_lulu/, © self, © flickr.com/Esparta
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