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Weltweit

Sarrazin und die Gen-Theorie

Hon Gre
31. August 2010 18:27 Uhr
632 Kommentare
Die Thesen des Bundesbankvorstands-Mitglieds Thilo Sarrazin zur genetisch bedingten Ausprägung von Eigenschaften wie der Intelligenz einzelner Volksgruppen sind aus wissenschaftlicher Sicht nicht haltbar.

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Eine solche These sei "absurd", sagte der Direktor des Instituts für Humangenetik an der Universität Bonn, Markus Nöthen, dem Kölner Stadt-Anzeiger (Dienstags-Ausgabe). "Bei hochkomplexen Eigenschaften wie der Intelligenz sind hunderte von Genen im Spiel." Auch weniger intelligente Eltern könnten hochintelligente Kinder haben und umgekehrt.
Sarrazin beziehe sich auf Studien, nach denen 50 bis 80 Prozent der Intelligenz genetisch begründet seien. Es stehe zwar fest, dass Intelligenz zu gewissen Teilen vererbt werden könne, "es durch die Vielzahl der beteiligten Gene aber bei Nachkommen immer wieder zu neuen Kombinationen kommt". Außerdem spielten die sozialen, wirtschaftlichen und kulturellen Bedingungen, in denen Kinder aufwachsen, für die Intelligenz ebenfalls eine wichtige Rolle.



Intelligenzforscherin widerspricht Sarrazin
Die Intelligenzforscherin Elsbeth Stern hat den Thesen Thilo Sarrazins, der sich zum Teil auf ihre Arbeit berufen hatte, widersprochen. "Mit seinem mehrfach wiederholten Satz `Intelligenz ist zu 50 bis 80 Prozent erblich` zeigt Thilo Sarrazin, dass er Grundlegendes über Erblichkeit und Intelligenz nicht verstanden hat", schreibt die Zürcher Psychologin in der Wochenzeitung Die Zeit.
Stern tritt in einem Gastbeitrag Sarrazins Interpretation von Erblichkeit und einer angeblichen Verdummung der Gesellschaft entgegen. Man müsse "viele seiner Folgerungen infrage stellen".
Die Wissenschaftlerin argumentiert unter anderem, dass nicht das absolute Ausmaß der Intelligenz, sondern vielmehr die Abweichung vom Mittel ("Varianz") durch Unterschiede im Erbgut bedingt seien. Intelligenz sei ein komplexes Merkmal, dessen Vererbung "das Ergebnis glücklicher Zufälle bei der Bildung von Eizellen und Spermien sowie der Befruchtung" sei. Elsbeth Stern betont daher: "Aus Erblichkeit und Fertilität im Dreisatz auf eine drohende Verdummung zu schließen, wie Thilo Sarrazin es tut, ist mit einer komplexen Anlage wie Intelligenz schlicht nicht möglich und ignoriert zudem die vielfältigen sozialen Einflüsse."
Textquellen: © dts
Bildquelle: © http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/0/02/Brille_eingeklappt_fcm.jpg
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8. Februar 2012 14:14 Uhr