login
 
profil
 
neues von...
 
antworten auf...
 
leserschaft
 
einstellungen
 
artikel schreiben
 
Weltweit

Kapitalismus: Ende des Menschlichen

Pitty P.
22. August 2009 16:00 Uhr
522 Kommentare
Der Kapitalismus ist vom freien Markt, der sich nach Angebot und Nachfrage richtet, sowie einem Konkurrenzkampf geprägt. Doch hat dieser Machtkampf um Gewinn und Kapital schon lange die Grenzen des Menschlichen überschritten?
Was ist Kapitalismus?
Der Kapitalismus ist ein wirtschaftliches System, das auf Grundlage der freien Marktwirtschaft, Privateigentum und Konkurrenzkampf besteht. Die freie Marktwirtschaft ist eine Errungenschaft aus dem 17/18. Jahrhundert in Verbindung mit dem Einfluss des Liberalismus, der zur Befreiung der Wirtschaft von staatlicher Bevormundung (Aufhebung des Zunftzwangs, Gewerbefreiheit) führte. Zudem ist die freie MW einer der Gründe, warum die Industrialisierung und Globalisierung in der modernen Zeit so rasch voranschreiten konnte. Die Marktwirtschaft bezeichnet eine Wirtschaftsordnung, in der die Produktion und Verteilung aller Güter durch Angebot und Nachfrage geregelt werden.
Typisch für den Markt ist, dass der Preis selbstständig reguliert wird, je nachdem, ob das Produkt begehrt ist oder nicht, oder aber es nicht genügend produziert wird oder im Überschuss vorhanden ist. Die Grundlage für das Funktionieren dieses Mechanismus ist die Garantie des Eigentums, d.h. das Recht auf private Verfügungsgewalt über die Produkte, Produktionsmittel und dem privaten Kapital, sowie ein freier Markt, der ohne durch z. B. politische Maßnahmen und Beschränkungen verzerrt und verfälscht wird, sondern die Interessen aller Anbieter und Nachfrager widerspiegelt. Diese Regel soll sicherstellen, dass im Konkurrenzkampf alle Mitspieler die gleichen Chancen haben.

Was bringt eigentlich der Kapitalismus?
Anders, als bei früheren Wirtschaftsformen wie dem Merkantilismus, der Subsistenzwirtschaft oder der Planwirtschaft hält sich der Staat aus der Wirtschaft heraus, oder sollte dies theoretisch tun. Das ermöglicht den Betrieben und Unternehmen ihr Gewerbe so auszurichten, wie es vom Markt "verlangt wird". Dies führt zu einer großen Auswahl für den Konsumenten, da das Angebot breit gefächert ist. Zudem haben die Konsumenten die Möglichkeit, durch den Konkurrenzmarkt zu vergleichen und zu entscheiden, wo sie das begehrte Produkt ersteigen. Somit werden Monopole vermieden. Ein weiterer Vorteil dieses Systems ist die schnelle Entwicklung von neuen Produkten und der hohe Lebensstandart. Da jeder Betrieb egoistisch handeln muss, um zu überleben, ist er gezwungen, immer neuere Produkte auf den Markt zu bringen, damit die Kunden bei ihn kaufen, und nicht bei der Konkurrenz. Besonders im technischen Bereich sind die Produktionszyklen immer so klein, dass immer schneller immer hochwertiger Sachen entwickelt werden (müssen).

Wieso schimpfen alle auf dem Kapitalismus?
Es gibt mehrere Gründe, weshalb viele Menschen sich den Kapitalismus weg wünschen würden. Besonders die Umwelt hat damit zu kämpfen. Meist steht die Natur einfach nur im Weg und wird beseitigt. Der Kapitalismus steht für Vermehrung und Vergrößerung, sei es das Kapital oder die Produktion und die Produktionsfläche. Dies hat zwangsläufig die Folge, dass die ökologischen Grenzen überschritten werden müssen, damit dieser Wachstum gewährleistet wird. Diese Überschreitung (sei es durch Waldrodung, Erdölbohrungen o.ä.) kann aber unsere Lebensgrundlage vernichten, indem z.B. der Treibhauseffekt außer Kontrolle gerät, fossile Brennstoffe zu schnell verbraucht werden oder ganze Wälder gerodet werden und Tierarten aussterben müssen. Das gesamte ökologische Gleichgewicht wird durch den zunehmenden Konkurrenzkampf geschädigt.

Doch auch wirtschaftliche und wissenschaftliche Nachteile erschließen sich daraus. Jedes Unternehmen forscht oft nur für sich, damit der Konkurrenz die Erneuerungen nicht in die Hände bekommen kann und somit schneller vermarkten kann. Dies kann zu einer rückständigen Forschung führen.
Ebenso gibt es politische Probleme, die sich aus dem kapitalistischen System ergeben. Eine Partei ist abhängig von Sponsoren und Spendengelder, um sich selbst und ihre Unternehmungen finanzieren zu können. Doch eigentlich widerspricht dies dem demokratischen Grundgedanken, in dem jeder Mensch politisch und rechtlich gleich gestellt werden sollte. Doch wie hat ein Normalbürger die Chance, in die Politik zu gehen, ohne sich Sponsoren in der Wirtschaft zu suchen, was zwangsläufig zur Abhängigkeit führt? Die Wirtschaft ist heutzutage stärker als die Politik, kritisieren Experten. Auch in unseren Bundestag sitzen Beispiele, die diese Aussagen unterstützen. Viele Bundestagsabgeordnete verdienen sich nebenbei eine Stange Geld. Doch sollte ein Politiker nicht soweit unabhängig sein, um sich auf seinen Beruf konzentrieren zu können?

Der meistgenannte und auch verständlichste Grund ist jedoch die soziale Ungerechtigkeit, die durch den Konkurrenzkampf entsteht. Die Schere zwischen arm und reich wird jeden Tag größer. Der "Kleine Bürger" verdient immer weniger und muss stets in unsicheren Zeiten um seinen Arbeitsplatz bangen, während die "Oberschicht" ihr Kapital weiter vermehrt. Ist es denn gerecht, dass in der Wirtschaft Menschen Beträge in Millionenhöhe bezahlt werden, während andere Menschen genauso arbeiten, sogar höhere Anforderungen bewältigen und dennoch nicht einmal einen Bruchteil eines Managergehaltes verdienen? Leisten denn Reinigungskräfte, Lehrer, Feuerwehrmänner oder Verkäufer weniger?

Weiterhin wird kritisiert, dass jeden Tag neue Geräte entwickelt werden (wie Laptop, MP3-Player, TV-Geräte), da die Nachfrage bei denen groß ist, die über Kapital verfügen und sich diesen Luxus leisten können. Auf der anderen Seite sterben täglich mehrere tausend Menschen an Hunger. Ist dies wirklich gerecht?

Wie soll es weitergehen?
Diese Frage kann keiner beantworten. Aber eins steht fest: Lange wird dies nicht mehr so weitergehen können. Die aufgezählten Nachteile, besonders die sozialen, werden in modernen Staaten durch Sozialleistungen wie beispielsweise Hartz IV oder Rente retuschiert, aber jeder kennt die hohen Schulden Deutschlands, und wer eins und eins zusammenzählen kann, wird merken, dass dies nicht ewig so bleiben kann. Und solange es Menschen gibt, die mehrere Millionen im Monat verdienen während andere um ihr Überleben kämpfen und das egoistische im Menschen über das soziale siegt, ist kein positives Ende in Sicht.
autor
redakteur
23. Mai 2012 22:57 Uhr