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Weltweit

INDECT: Überwachung in der EU

Peter Bellmann
5. März 2010 13:24 Uhr
518 Kommentare
Komplette Überwachung der Bürger zum Gute der Sicherheit? Seit ein paar Monaten ist es offiziell: Es wird an einem System zur vernetzten Überwachung gearbeitet. Das Projekt trägt den Namen INDECT und wird in diesem Artikel näher erklärt.

Vernetzte Überwachung

"INDECT" - Definition
Projekt "INDECT" ist der Entwicklungsname für ein System zur vernetzten Überwachung innerhalb der EU. Ausgeschrieben steht er für "Intelligent information system supporting observation, searching and detection for security of citizens in urban environment" (übersetzt: "Intelligentes Informationssystem, das Überwachung, Suche und Entdeckung für die Sicherheit von Bürgern in einer städtischen Umgebung unterstützt". Verwendet werden auch Teile aus dem amerikanischen Echelon-System .
Es wird daran gearbeitet Informationen aus dem Internet, aus Datenbanken und von Überwachungskameras zu verbinden. So soll mit automatisierten Suchroutinen für Gewalt, Diebstahl und abnormes Verhalten selbiges im Internet aufgespürt werden. Gleichzeitig soll es der Polizei damit möglich sein "verschiedenste bewegliche Objekte" zu observieren. "Indect" soll also Daten auswerten können, um die Bewegungen von Menschen, Fahrzeugen oder Schiffen nachzuvollziehen.
Unter dieser Adresse kann man sich über das Projekt näher informieren.

Es gehe, laut zeit.de, nicht in erster Linie darum, Informationen aus dem Netz zu filtern. Vor allem sollen diese in Datenbanken miteinander verknüpft werden. Beispielsweise mit Bildern von Videoüberwachungskameras oder mit Daten von Mobiltelefonen. Wer beispielsweise bei YouTube ein Drohvideo gepostet hat, der soll mithilfe von Überwachungskameras gesucht, via Suchmaschine identifiziert und mittels tragbarer Geräte von Polizisten verfolgt werden können. Finanziert wird alles aus Steuergeldern der EU-Staaten. Am Anfang setzte man den Etat für die Forschungen mit 14,86 Millionen Euro fest.

"INDECT" - Großflächiger Anklang
An den Forschungen beteiligen sich Institutionen aus vielen EU-Staaten, auch aus Deutschland. Als Beispiel ist sei hier die FH Wien erwähnt, deren Aufgabe es ist eine technische Lösung finden, um Objekte unter allen denkbaren Lichtumständen erkennen zu können. Damit dies unter wechselnden Bedingungen - Licht, Schatten, Regen, Reflexe - auch funktioniere, müssen die Systeme dauernd mitlernen. Die Herausforderung dabei ist, dass dieser Lernprozess schneller ablaufen muss als die Veränderung passiert, so der zuständige Professor Kollmitzer in einem Interview dem ORF gegenüber.
"Unsere Aufgabe ist es dann weiter, robuste Algorithmen zu entwickeln, die es ermöglichen zu erkennen, ob etwa eine Person ein Gepäcksstück abstellt und weggeht", so Kollmitzer weiter. Es soll festgestellt werden, ob gerade etwas Besorgniserregendes, Verdächtiges oder Außergewöhnliches geschieht, das die Auslösung eines Alarms rechtfertigt. Der ORF kritisierte jedoch, dass sich die Technik auch anders anwenden ließe, da sich frei definieren lässt, was solch einen Alarm auslöst.

Gläserner Bürger dank IT?

"So ist es zum Beispiel möglich, "Zusammenrottungen" zu erkennen: Sobald mehr als zwei Dutzend Menschen im öffentlichen Raum zusammenstehen, wird Alarm ausgelöst", merkt der Interviewer an. "Natürlich sei so eine Anwendung möglich", meinte Kollmitzer dazu, "Technik lasse sich nun einmal so oder eben auch anders verwenden."

Eingebettet ist das "INDECT"-Projekt in ein Programm der EU, das den Kampf gegen Kriminalität und Terrorismus voranbringen und zu einer stärkeren Steuerung der Zuwanderung führen soll. Die Etats in diesen Bereichen wurden dafür um rund 13,5 Prozent auf fast eine Milliarde Euro aufgestockt.

"INDECT" - Öffentliche Kritik
Zugegeben, nach den vorliegenden Fakten ist es nur zu verständlich, dass einige Medien und Organisationen auf die Barrikaden gehen. Die britische Zeitung "Telegraph" spricht von einem "Orwellschen Plan". Die deutsche Zeitung "Die Zeit" sieht das Projekt als den "Traum der EU vom Polizeistaat", in dem "Begriffe wie Unschuldsvermutung oder gerichtsfester Beweis" keine Bedeutung mehr haben.

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Aber auch bei manchen Forschungsbeteiligten regt sich ein wenig Widerstand. Zum Beispiel äußern Studierende der Bergischen Universität Wuppertal Kritik an dem europäischen Forschungsprojekt. So sprechen sich verschiedene Hochschulgruppen gegen die Beteiligung der Universität an INDECT aus. Auch der Allgemeine Studierendenausschuss und das Studierendenparlament fordern eine sofortige Einstellung der Beteiligung des Fachbereiches am Projekt.
Bildquelle: © flickr.com/torley
redakteur
31. Juli 2010 08:32 Uhr