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Weltweit

Finanzkrise erklärt!

Markus Bähring
6. November 2009 16:20 Uhr
77 Kommentare
Die Finanzkrise aus den USA. Viele Fragen, wenig Antworten. Dieser Artikel gibt Hintergrundinformationen zu Ursachen und Entstehung der zur Zeit größten Krise im Finanzmarkt.
Normalerweise geben Banken Kredite nur dann ab, wenn gewährleistet ist, dass der künftige Schuldner in der Lage ist den Kredit abzuzahlen. Doch seit einiger Zeit gibt es auch sogenannte Subprime-Kredite, bei denen das Risiko, dass der Schuldner den Kredit nicht abzahlen könnte, deutlich höher ist als es in der Regel bei Krediten sein sollte. Durch solche Subprime-Kredite wurde es unzähligen US-Bürgern ermöglicht sich ein Eigenheim leisten zu können, teilweise 100% kreditfinanziert.

Banken müssen risikoreiche Kredite durch einen gewissen Anteil an Eigenkapital absichern (Basler Akkord). Das bedeutet, dass die Banken demnach nur ein begrenztes Kreditvolumen haben. Deshalb wurde folgendermaßen mit den vergebenen Krediten umgegangen: Die Kredite wurden zunächst verbrieft zu sogenannten Asset Backed Securities (ABS). Unter dem "Kreditbündel" befanden sich Kredite unterschiedlicher Risiko-Klassen, also auch Subprime-Kredite. Diese ABS wurden ähnliche wie Aktien verkauft und der Käufer erhielt Anteile an den Zinsen. Die Bank verkaufte ein ABS meist für mehr, als der Kredit eigentlich wert ist. Die Differenz diente als Polster, da die Banken anfänglich Renditeausfälle ausglichen
Nun beherbergten die ABS selbst aber immer noch ein hohes Risiko. Deshalb wurden mehrere ABS zu so genannten Collateralised Debt Obligations (CDOs) zusammengefasst. Diese wurden wiederum in zumeist drei Kategorien aufgeteilt mit unterschiedlich hohem Risiko. Höheres Risiko bedeutete dabei mehr Zinsen. Aber selbst die dritte, theoretisch risikofreie Kategorie, bot noch mehr Zinsen als eine einfache Sparanlage.


Um ihr Kreditvolumen weiter auszudehnen zu können, konstruierten die Banken synthetische CDOs. Der Unterschied zu normalen CDOs ist einfach der, dass die Bank den Kreditnehmer dafür bezahlt dass er eventuelle Zahlungsunfähigkeit übernimmt. Dadurch zählten die Kredite nicht mehr zu den risikoreichen, jedenfalls für die Bank, und sie zählten nicht mehr zu jenen, die mit Eigenkapital abgesichert sein mussten.
In diesem Zusammenhang wurden sogenannte Zweckgesellschaften gegründet, für welche die Bedingungen des Basler Akkord nicht galten. Auf diese übertrugen Banken risikoreiche ABS bzw. CODs, um ihr Kreditvolumen noch weiter auszudehnen.

Nun kommt noch hinzu, dass Rating-Agenturen den ABS bzw. CODs Gütesiegel gaben, d.h. sie als sicher bezeichneten, was zur Folge hatte, dass sie sich reger Nachfrage erfreuten.
Sie bekamen die ABS bzw. CODs Gütesiegel, weil sie nach mathematischer Berechnung auch sicher zu sein schienen. Das Problem war jedoch, dass die "Berechnungen" auf den Erfahrungen der Vergangenheit basierten, obgleich die tatsächliche Ausfallwahrscheinlichkeit der Kredite, vor allem die der Subprime-Kredite, sich so gut wie gar nicht berechnen lässt.
Außerdem verdienten die privaten Rating-Agenturen an jedem verkauften Papier.

Folgendes Video verdeutlicht den Kern des Artikels in einer vereinfachten Erklärung.



Ein Großteil der Subprime-Kredite wurde an Menschen vergeben, die damit ein Haus bauten. Da nun die Immobilienpreise in letzter Zeit immer weiter stiegen, stiegen sozusagen auch die Sicherheiten der Hausbesitzer und sie konnten neue Kredite aufnehmen, die oft nur dazu dienten um die alten abzulösen. Das System funktionierte also bestens, da die Immobilienpreise stiegen. Irgendwann taten sie das jedoch nicht mehr und folglich wurden mehr und mehr Hausbesitzer zahlungsunfähig, was bedeutet, dass sich immer mehr Kredite als "faul" herausstellten. Folge war, dass die bekannten Ausfallquoten der Kredite weit übertroffen wurden. Als immer mehr durch Rating-Agenturen als sicher ausgezeichnete ABS bzw. CODs auf einmal alles andere als sicher waren, hatte das zur Folge, dass viele die Papiere abstoßen wollten. Die Banken waren gezwungen Geld auszuzahlen, was sie gar nicht mehr hatten aufgrund der ganzen Zahlungsausfälle.

Der Staat musste viele Banken durch Milliarden schwere Rettungspakete retten. Ansonsten hätte sich die freie Marktwirtschaft selbst regelrecht zu Grunde richten können. Folge des Ganzen war natürlich auch, dass Banken fortan sehr vorsichtig waren, was Kredite betraf. Das stellte wiederum ein Problem für Unternehmen dar, sodass die Finanzkrise sich auch auf die Wirtschaft auswirken konnte.
Bildquelle: © stock.xchng, © flickr.com/redjar/
redakteur
23. Mai 2012 22:29 Uhr