Weltweit
Die Goldgruben der Zukunft
L. Asstsiefrei
14. August 2009 19:42 Uhr
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Sind heute noch die Ölfelder oder Mineralvorkommen auf dem Festland gefragt, könnte bald ein Kampf um die letzten Reserven unter Wasser laufen. Und er hat bereits begonnen.
Die Tiefsee. Unerforscht, unbekannt, lebensfeindlich. So dachten die Forscher bislang. Doch dann entdeckten sie nicht nur tausende weitere Tierarten auf dem Meeresgrund, sondern auch reiche Rohstoffvorkommen. Ehe die Forscher etwas unternehmen konnten, fanden die ersten Proben statt und die ersten Bohrungen wurden durchgeführt. Die Wirtschaft war sofort geweckt und es begann ein Wettlauf um die Ressourcen unter Wasser. Erste Versuche in den 70er Jahren
Bereits 1978 wurden während der Ölkrise erste Verusche unternommen, den Tiefseetagebau anzukurbeln. Erfolgreich: Ca. 800 Tonnen sogenannte Manganknollen wurden dabei aus dem Meer geholt.
Manganknollen sind kleine, rohstoffreiche Knollen, die sich auf dem Meeresboden ablagern und deshalb - so die Industrie - leicht abzubauen und gleichzeitig gewinnversprechend sind.
Noch ist ungeklärt, welche Auswirkungen der Abbau der Manganknollen für die neuen Tier- und Pflanzenarten hat, die auf dem Meeresboden leben, doch das hält die Industrie nicht davon ab, die ersten Ölbohrungen zu unternehmen. Das Problem der Forscher: Weltweit stehen ihnen nur 15 Roboter zu Verfügung , mit denen sie die Unterwasserwelt erforschen können; allein die Erdölfirma "Total" besitzt im Gegensatz dazu etwa 200 dieser Roboter. So fördert dieses Unternehmen Öl vor der Küste Nigerias und ihn anderen Gebieten. Täglich werden dort tausende Liter Öl aus dem Boden an die Oberfläche gepumpt. Da die Ölreserven vor der Küste Nigerias so gewaltig sind, hat dieser Reichtum auch neue Besucher mit sich gezogen: Die US-Amerikanische Flotte patroulliert vor der westafrikanischen Küste und bildet gleichzeitig neue einheimische Einheiten aus. Denn die US-Regierung weiß, wo demnächst fast ein drittel ihres Öls herkommen soll.
Verwaltung der Öl-Vorkommen
Doch obwohl alles nach einem weiteren überstürzten, chaotischen Abbau frei nach den Regeln des Kapitalismus aussieht, gab es auch einige kleine Erfolge: Es wurde ein Ministerium gegründet, dass die Unterwasserwelt verwalten soll und den Abbau kontrollieren soll, mithilfe von dreißig Mitarbeitern. Hauptsitz: Jamaica. So wurden etwa an die Deutsche Bundesregierung zwei gigantische Abbaufelder für 250.000 US-Dollar verkauft. Aber auch Frankreich, Russland und China beteiligen sich am Unterwasserbergbau. Mit ihren dreißig Mitarbeitern ist das Ministerium völlig hilflos. Es wird darauf vertraut, dass die Staaten die Grenzen ihrer gekauften Gebiete nicht überschreiten und es nicht zu Konflikten kommt, falls beim Nachbarn mehr zu finden sein sollte, als auf dem eigenen Gebiet. Denn Manganknolle ist nicht gleich Manganknolle: Manche Manganknollen enthalten mehr Erze als andere (Kupfer, Zink, Nickel, Cobalt und Eisen sind jedoch in allen Knollen mehr oder weniger konzentriert zu finden).
Angst vor den Folgen
Während also die Industrie und die Regierungen schon den Abbau planen, rätseln die Forscher immer noch um die Folgen des Abbaus. Denn wo der Unterwasserbagger 1978 entlanggefahren ist, kann man heute noch sehen: als wäre es erst gestern gewesen. Jede noch so kleine Bewegung wirbelt Staubmengen auf, die sich erst Tage, manchmal erst Wochen oder Monate später wieder legen. Was also, wenn auf einem Gebiet nun ein halbes Dutzend Unterwasserbagger entlangfahren? Legt sich der Staub überhaupt wieder? Was bedeutet das für die Tierwelt? Wie lange brauchen die Lebensformen, um sich wieder zu regenerieren? Alle diese Fragen bleiben offen, während der Wettkampf um die letzten Reserven der Erde bereits in vollem Gange ist.
Bildquelle: © commons.wikimedia.org / Nepenthes
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