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Elfen Lied - Vorstellung eines Animes

Daniel Z.
14. Dezember 2009 20:03 Uhr
459 Kommentare
"Elfen Lied" ist ein Anime, der aus einer Mischung aus Action, Psycho, Splatter, Drama, Romantik und Echi (softe Erotik) besteht. Das Hauptaugenmerk liegt dabei auf den Diclonii, einer Höherentwicklung der Menschheit. Diclonii haben zusätzliche Arme, genannt "Vektoren", mit welchen sie Menschen infizieren.
Worum geht es?

Im Laufe der Serie werden alle Diclonius-Neugeborenen getötet, bis auf einige Mädchen, welche für Versuchszwecke in einem Labor eingesperrt werden und sich grausamen Experimenten unterziehen müssen. Die Hauptfigur der Serie, Lucy, kann eines Nachts aus dem Labor entkommen und richtet auf ihrer Flucht ein Blutbad unter den Wachleuten an. Kurz bevor sie entkommt, wird sie jedoch am Kopf verletzt und stürzt bewusstlos ins Meer. Später finden zwei Studenten, Kouta und Yuka, das Mädchen nackt und schutzlos am Strand und nehmen es bei sich auf.

Durch die Kopfverletzung hat sich jedoch eine gespaltene Persönlichkeit entwickelt. Aus Lucy, einer kaltblütigen Massenmörderin, wird ein liebes, unschuldiges Mädchen, welches immer nur "Nyuu" sagt, und deshalb auch so genannt wird. Nyuu kann ihre Vektoren nicht benutzen und auch nicht von anderen Diclonii aufgespürt werden. Während der Handlung tritt immer wieder auch die ursprüngliche Persönlichkeit, Lucy, zutage. Als Lucy tötet sie Kouta und Yuka jedoch nicht. Diejenigen, welche sie gefangen hielten, hetzen Leute auf sie, die sie einfangen und zurückbringen sollen. Zunächst werden Spezialeinheiten geschickt, später immer stärkere andere Diclonii, wobei der letzte Diclonius Lucy auch besiegen kann, sie aber nicht umbringt.

Der Anime "Elfen Lied" basiert auf einem Manga von Lynn Okamoto.
In dem Anime wird auch offenbar, wie Lucy ihre Kindheit verbracht hat. Sie wurde in der Schule von ihren Mitschülern wegen ihrer Hörner übel gehänselt. Als die Mitschüler jedoch eines Tages zu weit gehen und ihren Hundewelpen totprügeln, setzt sie ihre Vektoren zum ersten Mal ein, und bringt ihre Mitschüler um. Nach dieser Erfahrung verachtet sie alle Menschen und entwickelt sich langsam zu der Mörderin, die sie später wird. Nicht lange danach trifft sie Kouta. Weil er der Erste ist, der sich mit ihr abgibt und sich nicht an ihren Hörnern stört, sondern diese sogar cool findet, freundet sie sich mit ihm an und verliebt sich später in ihn. Weil sie ihn jedoch mit seiner Cousine auf dem Volksfest sieht, obwohl er ihr erzählt hat, dass er mit einem Jungen hingehen würde, wird sie eifersüchtig und bringt Koutas ganze Familie um (Anmerkung des Autors: In Japan ist es nicht unüblich, dass Cousin und Cousine eine Liebesbeziehung eingehen). Daraufhin – obwohl ihre freundliche Persönlichkeit dann und wann noch aufflackert – wird sie endgültig zur psychopathischen Mörderin.

Kouta hat jede Erinnerung an dieses Ereignis verloren. Diese Erinnerung erhält er jedoch in der vorletzten Folge wieder zurück. Am Ende der letzten Folge erklärt ihm Lucy, dass sie kein Mensch ist, und dass es ihr biologischer Auftrag gewesen wäre, die Menschheit auszulöschen bzw. durch ihre neue Spezies "biologisch zu tunen", indem sie möglichst viele Menschen mit dem Virus infiziert. Weil die Diclonii/Silpeliten jedoch auch ihn irgendwann umgebracht hätten, ist sie dieser Aufgabe nur ungenau nachgekommen. Sie erzählt ihm weiterhin, dass sie die vielen Jahre im Labor nur deshalb durchgestanden hätte, weil sie ihn eines Tages für den Mord an seiner Familie um Verzeihung bitten wollte, und bereut, auf die "dunkle Seite" geraten zu sein.

Kouta gesteht Lucy, dass er ihr niemals verzeihen könnte, dass sie seine Familie ausgelöscht hat, sie – mit all ihren Persönlichkeiten – aber dennoch ewig lieben würde. Zuletzt küssen sie sich und Lucy sagt, dass sie am liebsten für immer bei ihm bleiben würde, ihm jedoch zu viel angetan habe, als dass sie das tun könne. In der letzten Szene stellt sie sich einer Spezialeinheit, setzt ihre Vektoren jedoch nicht zur Verteidigung ein, als auf sie geschossen wird, was darauf schließen lässt, dass sie getötet wurde. Ganz zum Schluss sieht man jedoch eine Gestalt vor der Tür von Koutas Haus stehen, deren Umrisse denen von Lucy ziemlich ähnlich sehen...


"Elfen Lied" - der deutsche Trailer zur Serie

Hintergründe

Es gibt zwei Merkmale, welche die Diclonii von Menschen unterscheiden. Zum einen die beiden Hörner auf dem Kopf und zum anderen vier weitere, unsichtbare Arme, welche mit telekinetischer Energie gesteuert und "Vektoren" genannt werden. Sie schwingen auf einer sehr hohen Frequenz, sodass sie nahezu alles mühelos durchdringen können, auch menschliche Körper. Die Vektoren werden ebenfalls dazu gebraucht, schwere Gegenstände mit Leichtigkeit hochzuheben und wegzuschleudern und fungieren zum Teil sogar als Schutzschild.
Eine Sub-Spezies der Diclonii sind die Silpeliten. Mithilfe ihrer Vektoren infizieren sie andere Menschen mit einem Virus, und wenn diese Kinder bekommen, so sind sie ebenfalls Diclonii. Auch die Silpeliten haben diese Vektoren, können andere Menschen jedoch nicht infizieren.

"Elfen Lied" ist, auch wenn man nach den ersten Folgen ein anderes Bild davon haben könnte, kein Horrormärchen, in welchem hauptsächlich Menschen niedergemetzelt werden und das auf halbem Wege zu einem Porno ist. Die Macher zielten wohl darauf ab, bei den Zuschauern Emotionen hervorzurufen wie Liebe, Sehnsucht und Mitleid, aber eben auch Wut, Trauer, Grausamkeit und Machtgier. Der Zuschauer wird in vielen Szenen angeregt, "mitzufühlen", zum Beispiel als Kouta zum Schluss die Mörderin seiner Familie umarmt und seine Liebe zu ihr verkündet. Trotz der Tatsache, dass er die Wahrheit über Lucy und seine Familie erfährt, ist seine Liebe stärker.

In diesem Anime werden Dinge thematisiert, welche ein objektiver und aufmerksamer Zuschauer erkennt, und welche man auch philosophisch betrachten könnte. Denn nicht nur die Diclonii und Silpeliten sind Bestandteil der Geschichte, sondern auch völlig "normale" Menschen. So werden auch Dinge gezeigt, vor denen die heutige Gesellschaft lieber die Augen verschließt. Es wird gezeigt, wie schlimm es im "Oberstübchen" mancher Menschen aussieht, aber auch Triebe und Denkweisen, die in Ansätzen in (fast) jedem von uns angelegt sind werden beleuchtet. Durch die Tiefe der Charaktere kommen sowohl deren gute, als auch schlechte Seiten zum Vorschein. Vermeintliche Fieslinge wirken plötzlich nicht mehr gar so schlimm, weil sie auf ihre Weise doch das Beste wollen.

Neben Lucy treten noch die Silpeliten Nana/Nummer 7 und Mariko/Nummer 35 auf. Nana ist ein sanftes, junges Mädchen, das seine natürliche Programmierung alle Menschen zu töten, (beinahe) durch ihren Willen besiegen konnte. Bei einem Kampf mit Lucy verliert sie beide Arme und Beine, bekommt später jedoch Prothesen von ihrem Vater. Mariko ist im Grundschulalter und ein besonders mächtiger Diclonius, da sie sechs- oder siebenmal so viele und dreimal so lange Vektoren hat als andere Diclonii. Sie ist eine sadistisch veranlagte Psychopathin, zugleich aber auch ein junges Mädchen, welches sich nach seiner Familie sehnt.

Außerdem erscheinen noch zwei Halb-Diclonii, Generaldirektor Kakuzawa und sein Sohn. Beide haben sehr kleine Stummelhörner, welche sie unter Perücken verstecken und keine Vektoren. Der Sohn wird von Lucy getötet, als er sie für hilflos hält, und ihr an die Wäsche will.

In Deutschland darf man diesen Anime offiziell erst ab 18 Jahren gucken, da er viele Szenen beinhaltet, in denen einige der Charaktere – hauptsächlich natürlich die weiblichen Figuren – sehr spärlich bekleidet sind. In der ersten Folge sieht man beispielsweise, wie Lucy völlig nackt – wenn man den Stahlhelm, den sie trägt, nicht mitzählt – durch dunkle Flure des Labors wandert und dabei mehrere Menschen umbringt. In Japan geht man mit jugendlicher Nacktheit offenbar lockerer um als hier in Deutschland. In „Elfen Lied“ werden auch Szenen gezeigt, in denen Menschen und andere Diclonii von Vektoren verletzt, verstümmelt und getötet werden.

Gewalt wird exzessiv genutzt und jeder Charakter hat sein persönliches Leid. Dennoch hat "Elfen Lied" auch lustige Stellen zu bieten, welche bei der Tragik und kalten Wut der Geschichte sehr zur Auflockerung beitragen. Im Kern der Handlung steht jedoch die zarte Liebesgeschichte zwischen Kouta und Lucy, welche anfangs durch eine Dreiecksbeziehung mit Yuka erschwert wird.

Alles in allem ein mehr als sehenswerter Anime, wobei die Story möglicherweise interessanter geworden wäre, wenn mehr männliche Diclonius mit Vektoren aufgetaucht wären.

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Insgesamt besteht die Anime-Serie aus 14 Folgen. 13 Folgen kann man sich auf DVD auf Deutsch angucken. Daneben gibt es noch eine weitere Folge, welche nicht auf Deutsch übersetzt wurde und deren Handlung irgendwo zwischen der zehnten und elften Folge anzusiedeln ist, weshalb sie auch als "Folge 10,5" bezeichnet wird.

Seit einigen Monaten erscheint auch der Manga in sechs Bänden in Deutschland. Im Januar 2010 soll der Abschlussband herauskommen. Im Manga wird die Geschichte noch emotionaler und genauer ausgeführt. Ab dem dritten Band soll der Manga sogar eine völlig andere Handlung haben als der Anime.
Bildquelle: © en.wikipedia.org
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redakteur
8. Februar 2012 23:54 Uhr