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Sport

Trainer bringt Sven Kramer um Gold

Tobi Paul
24. Februar 2010 13:00 Uhr
135 Kommentare
Dass auch absolute Topfavoriten auf Edelmetall mal an ihren Zielen vorbeischießen, gehört praktisch zum olympischen Alltag in Vancouver. Doch selten geschah dies wohl so kurios wie am gestrigen Abend beim niederländischen Eisschnellläufer Sven Kramer.
Damit hatte wohl niemand an diesem Abend gerechnet. Als der 23-jährige Sven Kramer beim 10.000-Meter-Eisschnelllauf an den Start ging, rechneten wohl nicht nur seine Anhänger fest mit der Goldmedaille, die Kramer über 5000 Meter bereits gewonnen hatte. Über weite Strecken verlief der Lauf auch wie nach Plan, doch steuerte Kramer nach 8.000 Metern plötzlich auf die falsche Bahn ein und wurde nach Beendigung seines Laufs in deutlicher Bestzeit (12:54,50 Minuten) vom Kampfgericht disqualifiziert. Doch war es nicht einmal die Schuld des Läufers, dass dieser seine erste Niederlage über 10.000 Meter seit dem 24. Dezember 2006, und das ausgerechnet im olympischen Finale, hinnehmen musste. Eine Anweisung seines Trainers verleitete ihn dazu, auf die Innenbahn zu gehen, wodurch die Medaillenträume des jungen Holländers frühzeitig beendet worden waren.

Bereits mit 19 holte Kramer einmal Silber über 5.000 Meter
und einmal Bronze im Team


Nachdem er noch jubelnd ins Ziel gefahren war, mit der vermeintlichen Gewissheit, erneut Gold gewonnen zu haben, überbrachte ihm sein Trainer Gerard Kemkers die Hiobsbotschaft, woraufhin der junge Kramer kaum noch zu bremsen war. Wutentbrannt beschimpfte er seinen Coach, nachdem dieser ihm sein Vorhaben, wie einst Johann Olav Koss als Eisschnellläufer dreimal Gold bei Olympia zu holen, zunichte gemacht hatte. „Ich bin stinksauer auf meinen Coach, er hat mich falsch eingewiesen“, äußerte sich Kramer nach dem Lauf, „ich war auf der richtigen Bahn, doch eine Sekunde bevor ich einschwenken wollte, schrie er 'geh nach innen' und ich habe reagiert. Da hab ich das erste Mal in meinem Leben auf den Trainer gehört.

umfrage

Bereits vor den olympischen Wochen in Vancouver hatte es Gerüchte um einen eventuellen Trainerwechsel bei Sven Kramer gegeben. Durch eben diesen Fauxpas seines aktuellen Trainers wird dieser Wechsel natürlich wahrscheinlicher. Eben diesen Gerüchten zufolge, soll Kramer ein Auge auf den Amerikaner Peter Mueller geworfen haben. Kemkers zeigte jedenfalls in seinem ersten Statement deutlich Reue: „Das war der schlimmste Moment in meinem Leben, meine Welt ist zusammengebrochen. Das größte Unglück in der Geschichte des niederländischen Eisschnelllaufs.“ Ob es trotz alledem bei der Zusammenarbeit mit Kemkers bleibt, ist noch offen. "Es ist noch nicht vorbei. Auch Kemkers kann Fehler machen. Darüber müssen wir intern sprechen", sagte Kramer.

Profiteur dieses peinlichen Fehlers war der Südkoreaner Lee Seung-Hoon, der mit dem olympischen Rekord von 12:58,55 Minuten letztendlich Gold gewann.
Bildquelle: © commons.wikimedia.org/Bjarte Hetland
autor
8. Februar 2012 23:56 Uhr