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Musik

Rezension - Liebe ist für alle da

Christian Schäfer
26. Oktober 2009 14:20 Uhr
258 Kommentare
Das neue Album der erfolgreichsten deutschen Band ist vor Kurzem erschienen. Ob es den Ansprüchen der Fans genügt und es bühnentauglich ist, soll in dieser Rezension heraus gestellt werden.
Nun ist es also raus - Das neue Album "Liebe ist für alle da" von Rammstein. Doch begeistern die sechs Jungs aus Berlin auch dieses Mal die Massen? Dies und vieles andere versucht die folgende Review zu klären.

Los geht’s mit dem furiosen Opener "Rammlied", welches erst einmal den Hörer mit einem harten Leadriff im Stile von "Rammstein" des ersten Albums "Herzeleid" entgegenschallt. Trotzdem bleibt Till Lindemann bei dem Lied textlich eher zurückhaltend, das Instrumentale steht deutlich im Vordergrund. Es scheint so, als sei der neue Konzertopener der anstehenden Tournee geboren.

Knallhart geht’s dann auch gleich weiter mit "Ich tu dir weh". Hier wechselt sich ein exzellent gesungener Refrain mit knallhartem Gitarrensound und fast melancholischen Strophen ab. Das Thema des Songs ist, typisch Rammstein, Masochismus mit dementsprechend brutalen Schilderungen von Verstümmelungen, jedoch ohne das Thema zu verherrlichen, vielmehr wird es kritisch besungen. Wer jedoch Rammstein kennt, den wird der Text auch nicht wundern, in Sachen Lyrik betreten Rammstein nämlich kein Neuland.

Wer jetzt erwartet, dass ruhigere Töne angeschlagen werden, irrt - und zwar gewaltig! Das nächste Lied ist nämlich "Waidmanns Heil" und das ist keine Achtel langsamer. Auch hier wechseln sich ruhig gesungene Strophen mit schnellen und hart gespielten Refrains ab. Das Thema ist, auch hier sehr überspitzt, eine Großwildjagd und wird auch dementsprechend geschildert.



Nun wird es aber doch etwas ruhiger, "Haifisch" steht nämlich an. Und das könnte die neue Tourhymne werden. Im Wesentlichen ist "Haifisch" nämlich eine Ode an den bandinternen Zusammenhalt und ihre Verbundenheit zu den Fans. Inspiriert ist das Lied von Brechts "Mackie Messer", wobei die entsprechende Textzeile "Und der Haifisch der hat Zähne...." für den Sinn des Songs umgetextet wurde. Insgesamt ist er aber mehr als gelungen und die Livegestaltung dieses Songs darf mehr als gespannt erwartet werden.

Richtig fahrt nehmen die Jungs danach aber nochmal mit "B*******" auf, dem Lied, das wahrscheinlich am ehesten in die Sparte Metal passt. Eine kurze Strophenfolge mit dann umso längerem Refrain, der von Lindemann fast unverständlich und tief gesungen wird und bei dem er seinen gesamten Stimmumfang nutzt. Der lyrische Sinn ist nicht erkenntlich, jedoch soll er das auch gar nicht sein wie der Titel vermuten lässt. Trotzdem ist "B*******" eine super Nummer, die etliche Halswirbel in helle Aufregung versetzen wird.



Traditionell muss es aber bei Rammstein auch eine richtige Ballade geben und diese manifestiert sich diesmal in Form von "Frühling in Paris", eines langsamen, von einer Akustikgitarre begleiteten, Liedes, das teilweise im Chanson-Stil auf Französisch gesungen wird. Das Thema ist jedoch lediglich Sex mit einer Fremden in Paris, trotzdem typisch Rammstein brillant inszeniert und dank Lindemanns poetischer Ader einzigartig formuliert. Eindeutig ein Höhepunkt des Albums!

Danach geht es dann wieder mit einem echten Nackenbrecher weiter: "Wiener Blut". Fast erzählend trägt Lindemann die Geschichte eines Mädchens vor, das in einen dunklen Keller entführt wird und niemals wieder das Tageslicht erblicken soll. Unterbrochen werden die Erzählungen von schnellen Riffs und einer trommelnden Basedrum. Inhaltlich ist das Lied aktuell brisant, inspiriert wurde es nämlich von den Taten Josef Fritzels, der seine Tochter über 20 Jahre in seinem Keller gefangen hielt. Nichts für schwache Nerven!



Weiter geht’s mit dem Lied, das schon im Vorfeld einen Skandal auslöste: "Pussy". Das mit Sexszenen der sechs Jungs unterlegte Video wurde in Deutschland nie ausgestrahlt und ist nur über eine pornografische Seite in Deutschland erreichbar. Thema ist der Sextourismus deutscher Urlauber, wieder extrem überspitzt. Das Hauptaugenmerk im instrumentalen Bereich liegt diesmal nicht auf den Gitarren, sondern auf Flakes Keyboard. Daher mutet "Pussy" fast schon elektrisch an. Trotzdem durchaus gelungen!

Noch mehr Sex gibt es dann im Namensgeber der Albums "Liebe ist für alle da". Ein tolles Drumsolo lässt das Lied beginnen, die Gitarren folgen und Lindemanns Gesang passt perfekt in den Mix aus Gitarren und Schlagzeugrythmen. Thema ist wie schon erwähnt Sex, im Lied in allen Varianten. Viel mehr bleibt da nicht zu sagen, ein großartiges Lied mit exzellenten Soloeinlagen von Flakes Keyboard und Richard Kruspes Gitarre.



Wer jetzt denkt es wäre schon Schluss, liegt wieder falsch, es kommt nämlich noch "Mehr", ein kritischer Einblick in die Charakteristik des Egoismus. Perfekt auf den Punkt getroffene Lyrics mit dem treffenden Gesang von Lindemann in den Strophen, der Refrain erscheint jedoch etwas monoton und teilweise unausgegoren. Kein schlechtes Lied, aber eines der schwächeren des Albums.

Das Ende kommt, wie auch im Album "Mutter", mit einer bombastischen Ballade namens "Roter Sand". Auch hier herrschen wieder die Akustikgitarre und der melancholische Gesang vor, thematisch wird ein Pistolenduell verarbeitet, jedoch aus einer ungewöhnlichen Sichtweise. Zum einen wird ein Monolog des tödlich Getroffenen geführt, zum anderen wird die Situation aus der Sicht der verfehlten Patrone erzählt. Ungewöhnlich aber im Prinzip genial. Im Hintergrund spielt ein Orchester und die Pfeifeinlagen Lindemanns garantieren Gänsehaut. Ein durchweg gelungener Schlusssong, da gibt es keinen Zweifel!

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Das waren sie also, die elf Lieder des neuen Albums "Liebe ist für alle da". Die Erwartungen der Fans wurden mit der Scheibe wohl endlich erfüllt, Rammstein lösen sich von dem eher mäßigen "Rosenrot" und legen ein Album voller Power und Spielfreude nach. Bleibt zu hoffen, dass das nächste Album nicht wieder drei Jahre auf sich warten lässt. Jetzt geht’s aber erstmal für die Band auf Welttournee, und zwar acht Monate lang.

Ein kurzer Hinweis noch zu den Versionen des Albums: Es gibt die normale Version mit den oben genannten Liedern sowie eine Limited Edition mit 5 ebenfalls eingespielten Liedern, die es leider nicht mehr auf Album schafften. Es sind jedoch keine B-Seiten sondern vollwertig produzierte Lieder, die da wären: "Führe Mich", "Donaukinder", "Halt", "Roter Sand - Orchesterversion" sowie "Liese".

Eine weitere Rezension gibt es hier.
Bildquelle: © sftlive.de
redakteur
8. Februar 2012 23:56 Uhr