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Lifestyle

Was ist Liebe?

Christin Altmann
6. Februar 2010 14:46 Uhr
624 Kommentare
Schmetterlinge im Bauch, Nervosität und Verunsicherung sind die Zeichen der Verliebtheit. Doch was ist Liebe? Wie entsteht und definiert sich jenes starke Gefühl, das zwei Menschen so vertraut macht, dass sie bereit sind, ihr Leben miteinander zu teilen – in guten wie in schlechten Zeiten?
Liebe ist ein chemischer Prozess...

...sagen die Biologen und verweisen dabei auf die zahlreichen Botenstoffe und Hormone, die im Zustand der Verliebtheit ausgeschüttet werden. Der Körper mischt einen wahren Drogencocktail zusammen, der die Sinne berauscht, die Wahrnehmung verzerrt und Glücksgefühle hervorruft. Das Gehirn arbeitet auf Hochtouren. Die vermehrte Ausschüttung von Dopamin und Adrenalin führt zu Euphorie und Aufregung. Das natürliche Schlafbedürfnis geht im Liebestaumel stark zurück, jeglicher Stress ist wie weggeblasen. Endorphine sorgen für rauschartige Glücksgefühle, Cortisol bewirkt ein tiefes Wohlbefinden. In den Momenten, in denen der Liebende nicht mehr mit seiner oder seinem Angebeteten zusammen ist, kann dies auch umschlagen und als schmerzhaft empfunden werden. Bei Männern sinkt der Testosteronspiegel, bei den Frauen steigt er an – die Wirkung ist die gleiche: die sexuelle Lust erhöht sich. Eine große Anzahl Pheromonen (Sexualduftstoffe) bahnt sich ihren Weg an die Hautoberfläche. Nachgewiesen ist, dass Liebende durch den sinkenden Serotinspiegel in einen Zustand der Unzurechnungsfähigkeit gelangen können, der dem vieler psychischer Krankheiten gleicht. Hemmschwellen werden abgebaut, die Wahrscheinlichkeit irrationaler Handlungen steigt. Laut Angaben der [l]Weltgesundheitsorganisation[/l] (WHO) gewöhnt sich der Körper nach maximal 24 bis 36 Monaten an die hohen Dosen der Botenstoffe und Hormone. Der Rauschzustand weicht allmählich dem Alltag.

Liebe ist ein seelisches Grundbedürfnis...

… sagen die Psychologen. Der Mensch ist ein soziales Wesen und braucht den Austausch mit anderen. Durch den sozialen Vergleich kann er sich ein Bild von sich selbst machen und seine Identität finden. Außerdem wirkt das Zusammensein mit anderen der eigenen Verunsicherung entgegen und führt zur Verringerung von Angst. Nicht zuletzt dient der menschliche Kontakt dem Austausch von Informationen. Die romantische Anziehung ist jedoch mehr als das. Die Liebe entspringt aus dem Bedürfnis heraus, sich mit jemanden vereinen zu wollen – geistig, körperlich und emotional. Manche Psychologen, darunter Siegmund Freud, stellen vor allem die sexuelle Leidenschaft und Triebe in den Mittelpunkt ihrer Forschung. Andere, wie Erich Fromm, betrachten Zusammengehörigkeit als eine Voraussetzung der seelischen Gesundheit. "In der Liebe kommt es zu dem Paradoxon, dass zwei Wesen eins werden und trotzdem zwei bleiben.", schreibt der Psychoanalytiker. Zwei Menschen handeln und leben als Wir und bewahren zugleich ihre eigenständige Identität. Das Gleichgewicht zwischen Geben und Nehmen ist es, was eine gesunde Partnerschaft ausmacht. Doch es muss kein Mensch sein, auf den sich die Liebe bezieht. Spirituelle Liebe, wie zu Gott oder zu einer Gruppe, kann das Gefühl der Isolation überwinden und den Menschen Teil einer Gemeinschaft werden lassen.

Liebe ist wechselseitige Anerkennung...

… sagen die Philosophen. Hegel erkennt darin das moralische Fundament, dass die Liebe vom reinen Trieb unterscheidet. Platon unterscheidet drei Arten der Liebe: Éros, die sinnlich-erotische Liebe, aus der Leidenschaft und Begierde erwachen; Philía, die Liebe zwischen Freunden, die auf gegenseitiger Anerkennung und Verstehen gründet; und Agapé, die selbstlose Nächstenliebe, die das Wohl des anderen in den Vordergrund stellt. Heute wird die erste Unterteilung Platons eher vernachlässigt. Die nach ihm benannte platonische Liebe umfasst nur noch die wechselseitige Zuneigung, die der Körperlichkeit entbehrt.

Liebe ist ein Kommunikationsmedium...

… sagen die Soziologen, speziell der Systemtheoretiker Niklas Luhrmann. Er definiert Liebe als einen Code des Miteinanderumgehens, der die Funktion hat, unwahrscheinliche Kommunikation wahrscheinlich zu machen. In einer Liebesbeziehung kann sich der Mensch in seiner Ganzheit zeigen, ohne eine Rolle annehmen zu müssen, wie er es sonst in den verschiedenen Teilbereichen der komplexer werdenden, funktional ausdifferenzierten Gesellschaft tut. Dort ist der Mitglied einer Familie, eines Betriebes, eines Freizeitvereins und vieles andere mehr. Sich selbst zu bestimmen, wird zunehmend schwierig. Liebe als Kommunikationsmedium erlaubt es, sich dem Anderen in der Ganzheit seiner Rolle zu zeigen und zugleich all diese Rollen abzuwerfen. Daraus resultieren eine wechselseitige Bestätigung des Selbst und die Einordnung dieses Selbst in der Welt.

Liebe ist, wenn es Landliebe ist...

… sagt die Werbung und setzt den Begriff in alle möglichen und unmöglichen Beziehungen. Werbeslogans, die sich mit der Liebe befassen, beschränken sich fast ausschließlich auf die Liebe zu Sachen. Gemeint sind dabei Vorlieben oder einfach nur Dinge, die man gerne mag bzw. mögen sollte. Wir lieben Möbel! (Nimm Mit), Wir lieben Gas! (Montana Gas), Wir lieben Technik (Saturn), Wir lieben Kino (TELE 5) – Stets muss das Superlativ der Zuneigung herhalten, um persönliche Präferenzen und Neigungen zu benennen. Gibt man das Wort "Liebe" in die Suche der Werbedatenbank slogans.de ein, werden allein schon 344 deutsche Werbesprüche aufgelistet. "Love" bringt 87 zusätzliche Claims, "verliebt" hingegen nur 6.

Love is all around me...

… sagt die Musik und umgibt uns mit unzähligen Liebesliedern. Oft geht es um Herzschmerz, um Verlust und Enttäuschung. Doch auch der Moment des ersten Kennenlernens, der Zauber der Verliebtheit und die Magie des ersten Kusses werden in allen Varianten besungen. Kaum ein Thema scheint so viel Stoff herzugeben wie die Liebe – die erhörte, die unerhörte, die verschmähte, die betrogene, die lustvolle, die ewige, die wahre Liebe. Alle Facetten, egal ob Schmerz und Leid, Euphorie und Freude, werden beleuchtet, ohne dass sie je langweilig erscheinen. Liebeslieder dienen zudem auch dazu, dass Herz der geliebten Person zu gewinnen. Schon im Mittelalter wusste der Minnesänger Walther von der Vogelweide die Damen zu bezirzen, heute sind es Norah Jones, Dido, Robbie Williams und viele andere mehr, die näher aneinander rücken lassen und Trost spenden.
Bildquelle: © stock.xhng
redakteur
7. Februar 2012 10:32 Uhr