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Lifestyle

Vom Schreiben und gelesen werden

Michael Kaminski
5. September 2009 19:06 Uhr
117 Kommentare
Das World Wide Web steckt voller Tücken. Um eine davon dreht sich dieser Artikel - namentlich um die kleinen und großen Stolpersteine des Online-Veröffentlichens.
Das Internet gibt dem geneigten User an allen Ecken und Enden die Möglichkeit, seine Veröffentlichungen zum Besten zu geben und selbige anderer zu konsumieren. Zunächst einmal ist das gar nicht schlecht - jeder hat ja das Recht auf eine eigene Meinung und darf diese auch herum posaunen sooft und in welcher Form er gerne mag. Es ist leicht, sich einen Blog zu erstellen, sich in schätzungsweise fünfeinhalbtausend Social Communities einzutragen und nebenher auch noch alles zu twittern, was einem in den Sinn gerät. Allerdings, und das ist der Punkt, an dem der sprichwörtliche Hase im sprichwörtlichen Pfeffer liegt, ist nicht alles, was online ist, auch gut. Eine "Selbstqualifikation durch Publikation" existiert nicht.

Eben dieser Umstand führt in gewissen Fällen durchaus zu erheiternden Erlebnissen, vom Anflug eines Schmunzelns bis hin zum haltlosen Lachkrampf, wird aber, korrelierend mit der schieren Menge an minderqualitativen Publikationen, irgendwann schlichtweg traurig bis lästig.

Zeitungsredakteure haben eine jahrelange Ausbildung und oft mindestens genauso viel Berufserfahrung. Der Ottonormalblogger hat das einfach nicht und wird es auch nie haben, und wenn der Ottonormalblooger meint, er müsse über den Rand seiner de.vu.net.cc.org-Domain hinausschauen, dann stellt er leider viel zu oft fest, dass seine nett gemeinten Publikationen einfach keinen Blumentopf gewinnen werden im Kampf ums Gelesenwerden. Schlimmer noch, sollte durch Zufall und entgegen aller Wahrscheinlichkeit jemand die n-te Seite der Google-Suche "Beliebig, Beliebig, Beliebig, Beliebig" erreicht haben, wobei n jede beliebige natürliche Zahl sein kann und per Definition echt größer ist als die Summe der Beträge aller Nachkommastellen von Pi, dann wird dieser Jemand im Angesicht eines furchtbar recherchierten, stilistisch, grammatikalisch, und wahrscheinlich auch orthografisch in jeder Hinsicht degenerierten Haufens willkürlich gewählter Wörter im nächsten Schritt seinerseits besagten Artikel auf seinen eigenen Microblogs und in seinen fünfeinhalbtausend SCs zur Schau stellen - mit einem Kommentar wie "look what i've just found, plx laugh with me XD lol roflmao". Das führt zwar im besten Fall zu einem sprunghaften Anstieg an Hits auf besagtem niedrigqualitativen Blog, im zweiten Schritt aber auch dazu, dass jeder eventuelle Arbeitgeber mit Sicherheit darauf aufmerksam wird und durchaus gehalten sein wird, die dort vorzufindenden Leistungen, oder das fehlen selbiger, in direkten Bezug zur Deutschnote von Ottonormalblogger zu setzen. Im günstigsten Ausgang bedeutet das die ein oder andere peinliche Frage im Bewerbungsgespräch, im schlimmsten, eben gar nicht zu selbigem geladen zu werden.

Für alle Hobbyschreiberlinge ist als logische Folgerung hieraus durchaus naheliegend, vor dem Klick auf "Veröffentlichen" einmal nachzudenken, ob das, was da in dem schönen Formularfeld steht, denn fundiert, differenziert und sprachlich niveauvoll genug ist, um oben geschilderte Effekte nicht hervorzurufen.

Sollte man diese Fragen mit einem „Nein“ beantworten, gibt es eine einfache Lösung, die Abhilfe schafft: "Strg+A", gefolgt von "Entf".
Bildquelle: © flickr.com/dbdbrobot
22. Mai 2012 15:33 Uhr