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Lifestyle

"Nicht durch Zorn tötet man..."

Julien O.
14. Dezember 2009 12:30 Uhr
172 Kommentare
Dass Friedrich Nietzsche bei Weitem kein Wahnsinniger oder gar Nazi war, soll der folgende Artikel verdeutlichen. Hauptaugenmerk wird hier auf sein Werk "Also sprach Zarathustra" gelegt, mit dem er neue Horizonte öffnete und die Geschichte eines einsamen Einsiedlers erzählt.
Kurzinfo zu Friedrich Nietzsche
Geboren: 15. Oktober 1844 in Röcken bei Lützen
Gestorben: 25. August 1900 in Weimar

deutscher Philosoph, Dichter und klassischer Philologe
"Ein Buch für Alle und Keinen" lautet der Untertitel zu diesem Werk, welches für nietzscheanische Verhältnisse eine Novität darstellte.
Zuvor hatte Friedrich Nietzsche nie ein Werk in Prosaform geschrieben. Seine früheren Werke entbehrten einer strengen Systematik und stellten eher ein Sammelsurium philosophischer Abhandlungen dar. Doch in "Also sprach Zarathustra" findet man wichtige Grundsätze des Denkens Nietzsches, wie beispielsweise "den Tod Gottes", den "Übermenschen" und den "Willen zur Macht".


Inhaltliche Übersicht

Zu Beginn beschreibt Nietzsche, dass der Einsiedler Zarathustra nach zehn Jahren Einsamkeit in eine Stadt aufbricht, um dort seine erlangte Weisheit mit den Menschen zu teilen. Er predigt dort einer Menschenmenge auf dem Marktplatz vom "Übermenschen", trifft jedoch nur auf Hohn und Spott. Von da an meidet er große Menschenansammlungen und begibt sich auf eine Reise, um die Suche nach bedeutenden Geistern fortzusetzen.


Notizen von Friedrich Nietzsche

Mit der wohl bekanntesten Rede "Von den drei Verwandlungen" beginnt der erste Teil des Buches. Die drei Verwandlungen sind laut Nietzsche: "[...]wie der Geist zum Kamele wird, und zum Löwen das Kamel, und zum Kinde zuletzt der Löwe."
Hierbei handelt es sich um Bilder, welche es zuerst zu interpretieren gilt. So kann das Kamel als demütiges, der Löwe als zerstörendes Wesen und das Kind als Neubeginn in Unschuld gelten. "Kann" sollte einem Nietzsche-Leser ein wohl bekanntes Wort sein.

Später am Abend trifft Zarathustra auf ein altes Weib, welches von ihm verlangt, vom Weibe zu erzählen. So denkt der Einsiedler, dass "alles am Weibe ein Rätsel [ist], und alles am Weibe eine Lösung [hat]: sie heißt Schwangerschaft. Der Mann ist für das Weib ein Mittel: der Zweck ist immer das Kind."

Natürlich hat Zarathustra noch weitere Reden gehalten, doch der Platz reicht nicht aus, um jede zu besprechen. Die bekanntesten beiden Beispiele sollen hier deshalb genügen.



Grundgedanken

Vor Gott sind alle Menschen gleich, doch mit dem Tode Gottes ist der Zeitpunkt gekommen, den Übermenschen entstehen zu lassen. "Der Mensch ist etwas, was überwunden werden will!"

Der "Übermensch", als Bejaher des Lebens besitzt als bevorzugte Ausdrucksform die Leichtigkeit des Tanzes und des Lachens.

Egal, wie der weitere Verlauf für die Welt auch endet, für den Übermenschen ist sein Leben wie es ist, selbst, wenn es sich bis in die Ewigkeit wiederholen würde. (Nietzsche spricht hier von der "ewigen Wiederkunft des Gleichen")
Sein urspünglicher Antrieb der "Umwertung aller Werte" - also nach Höherem zu streben und Schöpfer zu sein - ist für Nietzsche "der Wille zur Macht."


Falsche Deutung durch den Nationalsozialismus

1934 wurde ein Exemplar von "Also sprach Zarathustra" im Grabgewölbe des Reichsehrenmals Tannenberg neben Hitlers "Mein Kampf" und Alfred Rosenbergs "Der Mythus des 20. Jahrhunderts" niedergelegt.
Die Schwester Nietzsches war eine Anhängerin des Nationalismus und Nationalsozialismus, sie traf kurz vor ihrem Dahinscheiden auch auf Hitler.
Durch sie wurden Textstellen Nietzsches posthum so ausgezogen oder gar verändert, dass sie auf die "Herrenrasse" der Arier bezogen werden konnten. Es wurde so im deutschsprachigen Raum fälschlicherweise ein Zusammenhang zwischen den nationalsozialistischen Ansichten über die "Herrenrasse" und Nietzsches Gedanken über den "Übermenschen" hergestellt.
Durch diese fehlerhaft-falsche Deutung war Nietzsche in der DDR, sowie zu Anfangszeiten der BRD weitestgehend unbeliebt. Mit der Zeit hat sich dies jedoch zum Glück geändert.


Denn es gilt immernoch, dass man "den Weg vom Wurme zum Menschen gemacht [hat], und vieles in uns noch Wurm [ist]."

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redakteur
22. Mai 2012 14:58 Uhr