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Lifestyle

"Ich denke, also bin ich"

Chris Bauer
23. Januar 2010 12:14 Uhr
273 Kommentare
René Descartes (1596-1650) formulierte den Satz "Cogito ergo sum" - Ich denke, also bin ich. Dieser hat bereits einigen klugen Denkern Kopfzerbrechen bereitet. Doch wie kam Descartes dazu, so eine synthetische Erkenntnis “a priori“ zu gewinnen und wie stichhaltig mag sie wohl sein?
Ein synthetisches Urteil a priori bezeichnet ein Urteil, dass erkenntniserweiternd (synthetisch) und zudem noch durch reines Denken, ohne jegliche Wahrnehmung und Erfahrung (a priori) entstanden ist.
Descartes beschreibt in seinen Büchern sehr genau, wie er in Meditationen vorging. Dieser Artikel soll das ganze allerdings etwas abkürzen und nur ein kleiner Überblick dessen sein.

Im Zustand der Meditation hat Descartes früher viele verschiedene Dinge wahrgenommen. Heute weiß er, dass diese nicht das waren, was sie zu sein schienen. Er schloss daraus folgendes: Die Sinne können Menschen täuschen. Die Erkenntnis kam zu Stande, als er die Redewendung "Wer dich einmal täuscht, dem glaube nie wieder" auf seine eigenen Sinne anwendete. Es stellte sich nun die Frage, ob er sich überhaupt auf diese verlasse könne.


Aber wenigstens auf etwas wollte er sich verlassen, also meditierte er weiter. Er zweifelte an seinen Sinnen, an seiner eigenen Existenz und an allem was er bisher für sicher gehalten hat. Er meditierte solange, bis er durch diesen methodischen Zweifel auf eine bestimmte Ebene gelangte, auf welcher nichts mehr zu verlassen war. Er hatte nahezu alles angezweifelt, doch eines blieb übrig: Der Zweifel selbst. An ihm zu zweifeln wäre ein logischer Widerspruch oder auch ein Teufelskreis.

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Doch woher kam dieser Zweifel?
Er selbst, René Descartes, war es der zweifelte. Darum formulierte er den Satz "Ich zweifle, also bin ich", da es sich bei dem Zweifel fraglos um einen Gedanken handelte.

Es erscheint auf dem ersten Blick durchaus eine logische und gute Argumentation zu sein. Doch sie hat einige Kritikpunkte, welche teils von Immanuel Kant und einigen bekannten Sprachphilosophen hervorgebracht wurden. Für Kant war es unglaublich, dass Descartes so etwas erkannt haben soll. Daher machte er sich einige Gedanken und kam seinerseits letztlich zu einem Schluss. Für ihn war es keine Erkenntnis, festzustellen, ob man wirklich sei.

Kant macht das an folgendem Beispiel deutlich:
Es liege ein Haufen Geld auf dem Tisch und weiterhin denke man sich einen Haufen Geld, der mit dem auf dem Tisch identisch sei. Es werde dem Haufen auf dem Tisch nichts hinzugefügt, z.B. indem man sage "der Haufen ist". Es sind nun immer noch die gleichen Häufen und die gleichen Münzen.
Existenz ist nach Kant also keine Eigenschaft. Somit würde es sich bei Descartes Argument nicht um ein synthetisches (erkenntniserweiterndes) handeln, sondern um ein analytisches.

"Wenn ich also ein Ding ... denke, so kommt dadurch dass ich noch hinzusetze, dieses Ding ist, nicht das mindeste zu dem Dinge hinzu." - KrV, Kant

Die Ansicht, Existenz sei keine Eigenschaft, ist heute unter nahezu allen Philosophen verbreitet.

Ein weiterer fataler Fehler soll Descartes unterlaufen sein, als er von dem bloßen Zweifel auf eine Existenz schloss. Es ist nicht zwingend notwendig, dass er existiert nur weil er zweifelt. Es ist auch nicht klar, ob wirklich er zweifelte. Das waren Dinge, von denen Descartes ausgegangen ist, ohne sie zu hinterfragen. Sprachphilosophen bemängeln, dass Descartes nicht an der Sprache zweifelt. Denn der sprachliche Zusammenhang zwischen "ich denke" und "ich bin" ist auch ein realistischer Zusammenhang, welchen René unbeachtet lässt.
Bildquelle: © stock.xhng, © flickr.com/alicepopkorn, © flickr.com/friek_magazine
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redakteur
21. Mai 2012 19:08 Uhr