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Lifestyle

Hochsensibilität - Segen oder Fluch?

Gelöschter Nutzer
22. September 2009 13:04 Uhr
194 Kommentare
"Jetzt hab dich doch nicht so!" - Viele kennen das Gefühl anders, vielleicht sogar falsch zu sein. Glaubt man Statistiken, sind rund ein Fünftel der Menschen tatsächlich anders.
Die Psychologin Elaine Aron war 1997 die erste, die das Phänomen der HSP ("highly sensitive persons") beim Namen nannte und versuchte, es näher zu beschreiben. Sie stellte fest, dass ca. 15-20% der Menschen eine (vermutlich ererbte) Tendenz haben, unterschwellige Reize stärker wahrzunehmen und Informationen tiefer verarbeiten. Dabei handelt es sich keineswegs um eine subjektive Wahrnehmung der Wissenschaftlerin. Bereits Pawlow stellte in Tests bezüglich der Belastbarkeit fest, dass 15-20% der Probanden über eine signifikant niedrigere Toleranzgrenze verfügten. Grund hierfür ist eine neurologische Besonderheit, die dazu führt, dass die Wahrnehmung schwächer gefiltert wird.


Was heißt das auf Deutsch und was sind die Folgen?

Hochsensible sind in jeder Hinsicht empfindlicher als der normal wahrnehmende Teil der Bevölkerung. Sie sind durch Lärm schneller genervt, neigen zu Allergien und stressbedingten Erkrankungen, gelten häufig als zurückhaltend oder gar schüchtern, haben häufiger das Bedürfnis sich zurückzuziehen und sind nur schlecht in der Lage, sich abzugrenzen, d.h. sie lassen äußere Reize schnell und nah an sich heran. Laute, hektische und grelle Veranstaltungen, bei denen sie vielen Reizen ausgesetzt sind, wie z.B. wilde Partys, sind den meisten HSP ein Gräuel. Klingt erst mal nicht wirklich angenehm, doch Hochsensibilität hat durchaus auch positive Seiten. HSP gelten als gute Zuhörer, denken in größeren Zusammenhängen, streben nach Vollkommenheit, verfügen über eine große Vorstellungskraft (viele Künstler sind hochsensibel!) und Fehlersensibilität bei sich und anderen. Andere erwähnenswerte Eigenarten vieler HSP sind leichtes Erschrecken, ein Hang zum Vegetarismus, überdurchschnittliche Probleme mit Veränderungen und ein schnelles Aufbauen von einem Gefühl von Verbundenheit.


Können daraus Probleme entstehen?

Aber sicher. Hochsensibilität ist in den meisten Fällen angeboren. Viele betroffene Babys schreien überdurchschnittlich viel, da sie sich schneller allein gelassen fühlen und somit auch schneller Ängste aufbauen können. Da die meisten Eltern die Hochsensibilität ihres Kindes nicht erkennen oder verstehen, sind Probleme fast vorprogrammiert und viele HSP müssen ihr Leben lang mit dem Gefühl leben anders zu sein. Dazu kommt das Grundproblem der Ideale unserer Gesellschaft. Man hat jung, flexibel, offen für alles und sehr belastbar zu sein. Hochsensible stoßen hier sehr schnell an ihre Grenzen- aber das war nicht immer so. Früher wurden HSP als Berater oder spirituell begabte Personen sehr geschätzt und in manchen Kulturen ist das auch heute noch so. Einige asiatische Heil- und Diagnosetechniken können beispielsweise ausschließlich von Hochsensiblen erlernt werden.Viel zu viele Hochsensible versuchen sich anzupassen, brechen letzten Endes durch Überlastung zusammen und/oder werden depressiv, weil das Gefühl "falsch" zu sein ständig präsent ist. Man unterwirft sich den Erwartungen der Gesellschaft nur um dazu zu gehören, auch wenn man nicht glücklich ist und es auch gar nicht werden kann.

Fazit: Anders sein ist ok.
Bildquelle: © piqs.de/ lies.image, © stock.xchng
redakteur
21. Mai 2012 19:05 Uhr