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Lifestyle

Heteronormativität: Mann vs. Frau

Nino Abi09
9. Februar 2010 15:10 Uhr
535 Kommentare
Wie Heteronormativität unsere Gesellschaft prägt, heteronormatives Denken über die Rolle von Mann und Frau das persönliche Denken und Fühlen beeinflusst und wie dadurch oftmals bestimmte Menschen(gruppen) bewusst und unbewusst ausgegrenzt werden.
Der Begriff
Von Heteronormativität haben bis jetzt sicher nur die Wenigsten etwas gehört. Dabei bestimmt diese Weltanschauung unseren Alltag oftmals so sehr. Heteronormativität ist laut Wikipedia eine Meinung, die davon ausgeht, dass Heterosexualität und geschlechtskonformes Verhalten (Männer sind maskulin, Frauen feminin) eine gesellschaftliche Norm ist, an die sich alle halten müssen.



Ganz einfach am Beispiel erklärt: Ein Mensch, der bei seiner Geburt männliche Geschlechtsmerkmale besitzt, der soll sich auch dementsprechend maskulin benehmen, sich sexuell und emotionell nur von Frauen angezogen fühlen, sich als Mann empfinden und im späteren Leben einmal die Vaterrolle übernehmen. Hingegen wird einem Menschen, der bei der Geburt weibliche Geschlechtsmerkmale aufweist, aufgedrängelt, feminin zu sein, sich als Frau zu fühlen, sexuelles und emotionelles Begehren nur für Männer zu empfinden und später einmal die Mutterrolle zu übernehmen.

Heteronormativität geht also nur von der Existenz zweier verschiedener biologischer Geschlechter, zweier psychischer Geschlechtsidentitäten, zweier konträrer Verhaltensarten und einer sexuellen Orientierung aus. Menschen, die nicht in dieses Bild passen, werden ausgegrenzt und als Fehlentwicklungen begriffen.

Die Realität
Die Realität zeigt jedoch, dass Heteronormativität nicht die Norm darstellt. Es gibt nicht nur zwei Geschlechter, nicht nur männlich und weiblich. So zeigt sich, dass es nicht nur ein biologisches Geschlecht gibt. Etwa jedes 5.000ste Kind wird als intersexuell geboren, so schattenblick.org. Intersexualität bedeutet, dass ein Mensch sowohl biologische männliche als auch biologische weibliche Geschlechtsmerkmale besitzt. Dabei hat er jedoch beide Geschlechter nicht vollkommen ausgebildet und kann nie, auch nicht durch operative Eingriffe, zeugungs- bzw. gebärfähig werden.



Ebenso gibt es nicht nur eine sexuelle Orientierung, die sich auf das jeweils andere Geschlecht bezieht. Die Tausenden und Millionen von Lesben, Schwulen, Bisexuellen und Asexuellen zeigen, dass es neben der Heterosexualität auch noch die Homo-, die Bi- und die Asexualität gibt.

Die Existenz der Transsexualität und der Transgender zeigt auf, dass es auch nicht nur eine psychogeschlechtliche Identität gibt. So fühlen sich weltweit tausende Menschen psychisch und geistig im "falschen Körper", das heißt sie haben innerlich (d.h. seelisch) ein anderes Geschlecht als äußerlich (körperlich) und wünschen sich oftmals nichts anderes, als ihr inneres Empfinden nach außen zu tragen, sei es durch Verkleiden, durch Operationen oder durch andere Maßnahmen. Auch androgyne Menschen, also Personen, die bewusst ein Aussehen und Verhalten an den Tag legen, welches sowohl feminin als auch maskulin ist, widerlegen die Heteronormativität.

Natürlich leben wir heute im 21. Jahrhundert und allen in unserer Gesellschaft ist längst bewusst, dass nicht alle Menschen heteronormativ sind und es auch LesBiSchwule, Transen, Intersexuelle und Andere

umfrage

gibt. Doch trotzdem ist bei fast allen heteronormatives Denken vorhanden.
So geht letztlich jeder (und auch jede) von uns davon aus, wenn wir einen unbekannten Mann auf der Straße sehen, dass dieser heterosexuell, maskulin und eindeutig männlich ist, und dass die Frau im Fernsehen Männer liebt, sich (auch in ihrer Freizeit) feminin gibt und auf jeden Fall eine "richtige" Frau ist. Dieses Denken ist vollkommen normal, da wir von Kindesalter an mit diesem Denken und diesen Rollen erzogen werden, selbst wenn dies nur unbewusst geschieht.


Aktueller Bezug
Zwar verschwindet die Heteronormativität langsam aus unserer Gesellschaft, denn Lesben und Schwule werden heute mehrheitlich toleriert und akzeptiert, Transsexuelle können ihren Körper ihrem inneren Empfinden anpassen und intersexuelle Menschen treten langsam aber sicher auch immer mehr ins öffentliche Bewusstsein. Doch trotzallem existiert sie noch, die Heteronormativität. So geht die Mehrheit der Gesellschaft bei aller Toleranz immer noch von einer natürlichen Hierarchie der Sexualitäten aus (mit der Heterosexualität oben und der Homosexualität unten), Transsexualität wird immer noch als massive psychische Störung gesehen und Intersexuelle werden oftmals schon bei der Geburt operativ einem Geschlecht zugeordnet, obwohl sie selbst sich vielleicht dem anderen Geschlecht zugehörig fühlen und auch so oder so nie eine leibliche Elternrolle übernehmen.

Weitere Informationen unter:
http://www.nasowas.org/download/VortragFachtagDoll2005.pdf
http://www.transsexuell.de/start.shtml
Bildquelle: © stock.xchng, © flickr.com/savv
autor
redakteur
9. Februar 2012 00:42 Uhr