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Lifestyle

Die Wahrnehmungen von Legasthenikern

Katrin Schütz
28. September 2009 11:41 Uhr
48 Kommentare
>Legastheniker sind dumm.< Heißt es oftmals von Mitschülern, Lehrern oder anderen Personen. Doch Das stimmt nicht sie haben nur andere Wahrnehmungs Probleme und sind auch nicht dumm. Der IQ eines anerkannten Legasthenikers (nicht zu verwechseln mit LRS) liegt oft zwischen 110 und 130 (ab 130 hochbegabt).
Legastheniker denken, sehen, hören und fühlen anders als andere Menschen, doch jeder von ihnen hat andere Wahrnehmungsprobleme. Denn ihre Art der Wahrnehmung verursacht die Probleme im Lese– und Rechtschreib-Bereich.
• Motorische Grundlage für Lernen und Verhalten
• Visuelle Wahrnehmung
o Körperliche Einschränkung
o Nonverbales – und Detailliertes sehen
• Auditive Wahrnehmung

Motorische Grundlage für Lernen und Verhalten
Es gibt verschiedene sensorische Kanäle, die das ganze Leben lang wichtig sind für die Körperwahrnehmung. Diese Kanäle arbeiten selbst nachts im Schlaf. Schon Neugeborene verfügen über diese sensorischen Kanäle.
Die Gleichgewichtswahrnehmung ist vor allem für grobmotorische Prozesse wichtig. Defizite in diesem Bereich führen oft zu einer unangepassten Grobmotorik und beschleunigten Bewegungen. Solche Störungen können massive Auswirkungen auf das Lernverhalten haben. Deswegen werden oft Legastheniker als ADHS Kinder wahrgenommen.
Der zweite sensorische Kanal ist die Propriozeption, welche die Wahrnehmung von Reizen wie Muskelspannung und Gelenkstellung ermöglicht. Da dieser Kanal die Grundlage des motorischen Lernens ist und für feinmotorische Prozesse sehr wichtig ist, können Beeinträchtigungen zu erheblichen Störungen z.B. im Bereich des Schreibens führen.
Auch die taktile Wahrnehmung ist von großer Bedeutung für feinmotorische Vorgänge im Körper und des sozialen Lernen. Bei dieser Wahrnehmungsstörung entwickelt sich das Tastempfinden nur eingeschränkt.
Neben den eben genannten Wahrnehmungsbereichen gibt es noch einige weitere Defizite, die auftreten können.
Zum einen ist das Zeitempfinden zu nennen, welches eine wichtige Basis für das motorische Lernen, auch das feinmotorische, darstellt. Ein weiteres Problem ist eine mangelnde Körperkoordination, denn vor allem die Koordination von Auge und Hand, aber auch die Ohr- und Sprechmotorik sind für den Erwerb der Sprach- und Schriftsprache sehr wichtig.
Eine unausgewogene Seitigkeit bedeutet, dass die beiden Gehirnhälften nicht harmonisch zusammenarbeiten. Dies wirkt sich vor allem nachteilig für die Hörverarbeitung aus. Im Bereich des Schreibens kann es zum Verdrehen und Vertauschen von Buchstaben kommen.
Hinweis auf Probleme in den oben genannten Bereichen erhält man z.B. durch folgende Anzeichen.
• Auslassen von Buchstaben oder Zahlen
• Erschwerte Anpassung an die Gruppe; Störungen ; Aggressionen
• Analoguhr (wegen Zeigerstellung) schlechter ablesbar als Digitaluhr
• kann Gefahren schlecht abschätzen

Visuelle Wahrnehmung
1. Körperliche Einschränkung
Es gibt wenig Betroffene, deren Legasthenie hauptsächlich durch visuell verursachte Störungen zur Ausprägung gekommen ist. Allerdings können diese Augenprobleme eine Legasthenie verstärken. Einige Beispiele sind: Hornhautverkrümmung, gestörte Achsensymmetrie und verdecktes Schielen.
Wenn man kein ausgeprägtes dominantes Auge hat, kann es zu kurzen Komplettausfällen der visuellen Wahrnehmung kommen. Auch die Koordination von Auge und Hand ist bedeutsam, denn die Augen führen die Hand bei Legasthenikern. So kann eine vermutete Handmotorik-Störung eventuell nur auf visuellem Versagen beruhen. Legastheniker leiden gelegentlich auch an verschwommenen sehen, Filmbildern und teilweise sogar an Kopfschmerzen und Migräne.

2. Nonverbales- und Detailliertes sehen
Es gibt grob zwei Arten, auf die ein Mensch denken kann. Einmal das verbale Denken und das nonverbale Denken. Beim verbalen Denken denkt man in Wörter und reiht sie zu einem Satz aneinander. Bei der nonverbalen Denkweise denkt man in Bilder und reiht diese auch nicht aneinander, die Gedanken wachsen in alle Richtungen gleichzeitig. Jeder Mensch kann beide Denkweisen benutzen, aber ein Legastheniker benutzt das nonverbale Denken besonders oft und intensiv. Wenn ein Legastheniker auf diese Weise denkt, kann er alles machen in dieser kleinen Fantasiewelt.
Wenn man als verbaler Denker an das Wort Pferd denkt, sieht man dieses Wort auch. Ein Legastheniker hingegen sieht ein relativ reales Pferd vor sich. Er kann dieses aus allen Perspektiven sehen und bekommt so mehr Eindrücke. Deswegen ist es für einen Legastheniker sehr schwer mit Symbolen, Noten oder Zahlen umzugehen. Mit dieser ausgeprägten Fantasie und Auffassungsgabe versucht der Legastheniker ein Wort als Bild zu sehen, wo es kein Bild für gibt. Durch die vielen verschiedenen Perspektiven, die er in seinem Inneren sieht wird er nun verunsichert und ist verwirrt.
Das Detaillierte sehen ist noch anders als bei "normalen" Menschen. Legastheniker sehen sich eine Blume an. Zuerst sehen sie die ganze Gestalt. Nach wenigen Sekunden dann welche Farbe die Blume hat und nach noch mehr Sekunden dass sie auf der einen Seite verwelkt ist oder mehr Blätter hat. Diese Schritte passieren in wenigen Sekunden, so dass sie nicht gleich Herausfiltern können was an dieser Blume nicht stimmt. Menschen ohne eine Legasthenie sehen in der Regel alles auf Anhieb und wissen nach wenigen Sekunden wo der Fehler ist.

Auditive Wahrnehmung
Häufig geht eine Legasthenie mit Störungen im Bereich der Hörverarbeitung einher. Selbst wenn die Zentralen Funktion des Ohrs in Ordnung ist, kann es Probleme geben, die die Hörwahrnehmung betreffen. Legastheniker nehmen Gehörtes oft anders wahr als nicht Legastheniker. Die Hörverarbeitung kann auf unterschiedliche Weise beeinträchtigt sein.
Ein Problem ist die Figur-Grundwahrnehmung, wenn diese Wahrnehmung eingeschränkt ist, können die Betroffenen Personen nur schlecht zwischen wichtigen (z.B. Lehrerstimme) und unwichtigen Geräuschen (neben Geräusche wie Vögel) unterscheiden. Ein weiteres Problem kann eine erschwerte Auseinanderhaltung von Schallsignalen, die schnell aufeinander folgen, sein. Nachteilig für den Schriftspracherwerb ist es, wenn es Probleme beim Heraushören von lauten und Silben, aber auch beim zusammenfügen dieser Laute, gibt.
Bildquelle: © stock.xchng, © stock.xhng
redakteur
21. Mai 2012 18:33 Uhr