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Lifestyle

"Benimm dich oder ich schieße!"

J. N. H.
5. Februar 2012 17:35 Uhr
203 Kommentare
Während Schüler früher von Lehrern zurecht gewiesen worden, sorgen heute Polizeibeamte für Ordnung. Dabei werden selbst 6-Jährige für ihr Fehlverhalten zur Verantwortung gezogen – notfalls durch den Jugendknast.
„Benimm dich oder ich schieße“

Aussage gegen Aussage
Während die Beamten dabei von „Unterrichtsstörungen“ berichten, melden betroffene Schüler ganz andere Dinge. So beispielsweise Sarah Bustamantes (12), die festgenommen wurde, weil sie sich einparfümierte, berichtet spiegel.de. Allerdings hatte ihr Verhalten einen bestimmten Grund: "Ich bin komisch, die anderen mögen mich nicht. Sie haben gemeine Sachen zu mir gesagt. Also habe ich mich mit Parfüm eingesprüht. Dann haben sie gesagt: 'Tu es weg. Ich habe noch nie so etwas Widerliches gerochen.' Und dann hat der Lehrer die Polizei gerufen." Bei Sarah wurde im Übrigen eine Aufmerksamkeitsschwäche sowie eine bipolare Störung diagnostiziert. Das Eintreffen der Polizei dauerte nicht lange, denn auch an ihrer Schule gibt es bewaffnete Polizeibeamte, die auf den Fluren patrouillieren. Neben dem Verweis aus dem Unterricht folgte für Sarah ein Strafverfahren inklusive Gerichtsverhandlung.

Zukunft in Gefahr
Kein Einzelfall, denn täglich ergeht es Hunderten Schulkindern in Texas so – bspw. wegen unpassender Kleidung oder Unpünktlichkeit. 2010 wurden wegen solcher Verstöße 300.000 Kinder verurteilt. Die Strafen reichten von Geldbußen und Sozialstunden bis hin zum Freiheitsentzug. Ein Urteil, welches die Kinder später im Zweifelsfall den Studien- oder Ausbildungsplatz kosten kann. Kady Simpkins, Sarahs Anwältin, sagt: "Wir haben kindliches Verhalten kriminalisiert". Nachdem 2010 auch aus Justizkreisen Kritik an den Strafen laut wurde, änderte man in Texas die Gesetze dahingehend, dass zumindest 10- und 11-Jährige nicht mehr für ihr Verhalten bestraft werden können.

Respektlose Jugend
Jeanne Meurer, Richterin in Austin, spricht von einer Respektlosigkeit seitens der heutigen Jugend. "Ich verstehe, dass Lehrer, Eltern und andere Erwachsene sich schwer tun mit Kindern, die weder Benehmen noch Respekt zu haben scheinen. Trotzdem sind sie doch unsere Zukunft. Sollten wir mit dieser Entwicklung nicht anders umgehen, als Schüler zu verhaften und mit dem Justizprügel auf sie einzuknüppeln?" Viele der Jugendlichen, über die sie urteilen muss, leiden unter Lernstörungen. So werde vor allem bei behinderten Kindern oft die Polizei gerufen. Neben Pfefferspray tragen die Beamten in Austin auch Waffen, die zwischen 2003 und 2008 etwa 400 mal in Schulen zum Einsatz kamen.

Knochenbrüche und Todesfälle
Doch solche Vorfälle gibt es nicht nur in Texas. In Kalifornien wurde einem Mädchen der Arm gebrochen, weil sie die Krümel von ihrem Kuchen nicht vom Kantinenboden aufhob. In Florida wurde ein Junge mit einem Elektro-Taser außer Gefecht gesetzt, weil er während einer Debatte von Senator John Kerry unangenehme Fragen stellte. Auch zu Todesfällen kommt es im Rahmen der Schuleinsätze der Polizei. So wurde in der ersten Januarwoche ein 15-Jähriger erschossen, nachdem er mit einer Luftpistole auf die Beamten zielte (Newspoint berichtete).

Was tun?
"Eine beträchtliche Anzahl von Schülern bricht tatsächlich das Gesetz. Was soll man als Lehrer machen, wenn man von einem Schüler geschlagen wird, der doppelt so groß ist wie man selbst? Die Umstände unterscheiden sich von Fall zu Fall, es gibt kein festgeschriebenes Vorgehen und vieles liegt im Ermessen des jeweiligen Polizeibeamten.", gibt Chief Brian Allen den Kritikern zu denken.
Bildquelle: © stock.xchng
autor
21. Mai 2012 18:15 Uhr