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Abschied nehmen- eine Kurzgeschichte
Marlen Hermann
18. Oktober 2009 12:00 Uhr
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Manchmal spielt das Leben anders, als man denkt. Dass muss auch ein junger Mann erfahren.
"Abschied nehmen"- eine Kurzgeschichte von Marlen Hermann.
Abschied nehmen
Er stand am Fenster, sah hinaus und versuchte angestrengt seine Gedanken zu ordnen. Sie war weg, wortlos und ohne ihn anzusehen. Nachdenken müsse sie und eine Weile allein sein- ohne ihn. Er seufzte, wandte sich um und sah die Szene wieder vor Augen.
Sie war nach Hause gekommen, erschöpft von einem harten Arbeitstag. Schön war sie dennoch in seinen Augen: groß, schlank, blond- eben eine Frau, wie sie sich Mann heute nur träumen konnte. Und er hatte eine Überraschung für sie. Doch nun war sie gegangen.
Sein Blick wanderte zum Tisch auf dem noch immer das kleine Kästchen mit dem samtenen Stoff umwunden stand. Der Deckel war geschlossen. Er verbarg ein wundervolles Geschenk, ein Angebot, wie er es empfand. Traurig nahm er es vom Tisch, öffnete den Deckel und blickte auf den funkelnden Stein eingelassen in die weißgoldene Fassung eines Ringes. Es war ein Verlobungsring.
Gleich nachdem sie die Tür hereinkam, die roten Rosen auf dem Tisch entdeckte und ihren schwarzen Mantel am Garderobenhaken anbrachte, hatte er vor ihr niedergekniet, ihr gesagt, was sie ihm bedeutete und um ihre Hand angehalten. Sie sahen sich eine Weile schweigend an. Dann wandte sie sich von ihm ab, nahm ihren Mantel und ging, wortlos und ohne ihn eines weiteren Blickes zu würdigen.
So stand er nun allein da, verlassen von der Frau, die er liebte und heiraten wollte. Nachdenklich stellte er das kleine Kästchen mit dem Ring weg, ließ den Deckel aufgeklappt und ergriff seine Kaffeetasse, die nun mehr seit einer halben Stunde auf dem Tisch stand. Er schmeckte nicht, wie kalt das Getränk war, schluckte es einfach hinunter. Alles was ihm blieb, war die Hoffnung, dass sie zurückkehrte und mit ihm sprach. Oder dass sie ihn einfach nur ansah, ihm ein Signal gab, mit dem er etwas anfangen konnte.
Das Klicken eines Schlüssels im Türschloss ließ ihn aufblicken. Für einen Moment blieb er noch regungslos stehen, die Kaffeetasse in der Hand. Dann wandte er sich um, stellte die Tasse auf den Tisch und sah sich ihr gegenüber. Ihr Haar war zerzaust. Langsam knöpfte sie den schwarzen Mantel auf, sah ihn dabei nicht an. Die Zeit verging, ohne dass ein Wort gesprochen wurde. Dann sah sie ihn an, ausdruckslos. Ihr Gesicht zeigte keine Regung, keine Gefühle- einfach nichts.
Er stand am Fenster, sah hinaus und versuchte angestrengt seine Gedanken zu ordnen. Sie war weg, wortlos und ohne ihn anzusehen. Nachdenken müsse sie und eine Weile allein sein- ohne ihn. Er seufzte, wandte sich um und sah die Szene wieder vor Augen.
Sie war nach Hause gekommen, erschöpft von einem harten Arbeitstag. Schön war sie dennoch in seinen Augen: groß, schlank, blond- eben eine Frau, wie sie sich Mann heute nur träumen konnte. Und er hatte eine Überraschung für sie. Doch nun war sie gegangen.
Sein Blick wanderte zum Tisch auf dem noch immer das kleine Kästchen mit dem samtenen Stoff umwunden stand. Der Deckel war geschlossen. Er verbarg ein wundervolles Geschenk, ein Angebot, wie er es empfand. Traurig nahm er es vom Tisch, öffnete den Deckel und blickte auf den funkelnden Stein eingelassen in die weißgoldene Fassung eines Ringes. Es war ein Verlobungsring.

Gleich nachdem sie die Tür hereinkam, die roten Rosen auf dem Tisch entdeckte und ihren schwarzen Mantel am Garderobenhaken anbrachte, hatte er vor ihr niedergekniet, ihr gesagt, was sie ihm bedeutete und um ihre Hand angehalten. Sie sahen sich eine Weile schweigend an. Dann wandte sie sich von ihm ab, nahm ihren Mantel und ging, wortlos und ohne ihn eines weiteren Blickes zu würdigen.
So stand er nun allein da, verlassen von der Frau, die er liebte und heiraten wollte. Nachdenklich stellte er das kleine Kästchen mit dem Ring weg, ließ den Deckel aufgeklappt und ergriff seine Kaffeetasse, die nun mehr seit einer halben Stunde auf dem Tisch stand. Er schmeckte nicht, wie kalt das Getränk war, schluckte es einfach hinunter. Alles was ihm blieb, war die Hoffnung, dass sie zurückkehrte und mit ihm sprach. Oder dass sie ihn einfach nur ansah, ihm ein Signal gab, mit dem er etwas anfangen konnte.
Das Klicken eines Schlüssels im Türschloss ließ ihn aufblicken. Für einen Moment blieb er noch regungslos stehen, die Kaffeetasse in der Hand. Dann wandte er sich um, stellte die Tasse auf den Tisch und sah sich ihr gegenüber. Ihr Haar war zerzaust. Langsam knöpfte sie den schwarzen Mantel auf, sah ihn dabei nicht an. Die Zeit verging, ohne dass ein Wort gesprochen wurde. Dann sah sie ihn an, ausdruckslos. Ihr Gesicht zeigte keine Regung, keine Gefühle- einfach nichts.
Bildquelle: © stock.xchng, © flickr.com
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