Kino
Porträt: Sergio Leone
Michael Reinartz
3. Oktober 2009 11:18 Uhr
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Er hätte dieses Jahr seinen 80. Geburtstag gefeiert: Der Regisseur Sergio Leone, bekannt vor allem durch seine Italo-Western. Die richtige Zeit, einen Blick auf das Leben und Werk des bereits 1989 verstorbenen Kultfilmers zu werfen.

Zu Leones Steckenpferd wurden in den späten 1950er Jahren die aufkommenden Monumental- und Sandalenfilme (z.B. Bibelverfilmungen), deren Skripts er selber schrieb und auch Assistenz der Regie war, u.a. in „Ben Hur“ mit Charlton Heston. Seine erste eigenständige Regiearbeit hatte Leone im Film „Die letzten Tage von Pompeij“ im Jahr 1959 und wirkte trotz einem geringen Budget sehr professionell. Auch sein nächster Monumentalfilm „Der Koloß von Rhodos“ zwei Jahre später machte vor allem durch geschickte Nutzung des begrenzten Budgets von sich reden.
In den 1960ern ebbte die Monumentalfilm-Welle langsam ab und Leone suchte sich bei seiner nächsten Produktion auch ein neues Genre aus. 1964 drehte er dann „Für eine Handvoll Dollar“, der ihn und den Hauptdarsteller Clint Eastwood schlagartig berühmt machten. In den beiden darauffolgenden Jahren erschienen die Fortsetzungen „Für ein paar Dollar mehr“ und „Zwei Glorreiche Hallunken“, die beide ebenso erfolgreich waren und den vorher abwertend benutzten Begriff Italo-Western bis heute prägen. Vor allem Kameratechnik, Realismus und Musik galten damals als visionär: Lange, ausgeprägte Kameraschnitte in die Gesichter der Protagonisten, spannungsgeladene Weitwinkelaufnahmen, vielschichtige Revolverhelden abseits der damaligen Klischees und die legendäre Filmmusik von Ennio Morricone – zusammen gilt die „Dollar“-Trilogie als der Meilenstein des Italo-Westerns.
"Für eine Handvoll Dollar": Clint Eastwood in seiner ersten Hauptrolle US-Produzenten entdeckten das in Leone schlummernde Potential schnell und holten ihn in die USA. Dort drehte er 1968 den Western „Spiel mir das Lied vom Tod“ mit Charles Bronson anstatt mit Clint Eastwood, da sich Leone und Eastwood nach ihrem letzten gemeinsamen Film zerstritten. Zwar floppte der Film in den USA regelrecht, in Europa hingegen schnell genoss er bald Kultstatus. Bis in die 1990er Jahre galt „Spiel mir das Lied vom Tod“ als erfolgreichster Western aller Zeiten, der Mundharmonika-Score von Morricone ist bis heute legendär. Außerdem begründete Leone mit diesem Film seine zweite Trilogie: Thema war diesmal keine Person, sondern der Amerikanische Traum – und sein Wertverlust. Der zweite Teil der Reihe „Todesmelodie“ (1971) spielt zur Zeit der mexikanischen Revolution, der dritte behandelt das Treiben einer Gang im New York des frühen 20. Jahrhunderts.
Alle drei Filme gelten in ihrem Genre jeweils als Meisterwerke – nicht zuletzt wegen ihrer epischen Ausmaße: Während „Spiel mir das Lied vom Tod“ und „Todesmelodie“ beide ca. zwei-ein halb Stunden lang sind, schafft es „Es war einmal in Amerika“ in der Originalfassung auf über drei-ein halb Stunden. Auf Grund dieser Länge – und der Tatsache, dass die US-Studios dem Publikum nicht zutrauten, sich so lange auf einen Film konzentrieren zu können – wurden teilweise stark gekürzte Fassungen veröffentlicht, die die Qualität der Filme arg minderten. Leone versuchte vergeblich, „seine“ Versionen in die Kinos zu bekommen, aber erst der DVD ist es zu verdanken, dass sich diese Fassungen durchsetzten.
Bei den Vorbereitungen zu seinem 8. Film, einem Kriegsdrama über die Belagerung von Leningrad während des zweiten Weltkriegs, starb Leone im Alter von nur 60 Jahren in Rom, seinem Geburtsort. Clint Eastwood widmete 1992 seinen ersten Regie-Oscar, den er für seine Italo-Westernhommage

Bildquelle: © Widescreen Vision
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