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Kino

Inglourious Basterds

Christian Gall
30. August 2009 21:36 Uhr
675 Kommentare
"Once upon a time in Nazi-occupied France": Quentin Tarantino is back – pünktlich zu den 62. Filmfestspielen von Cannes gelang es ihm, seinen neuesten Streich "Inglourious Basterds" zu vollenden. Der Kultregisseur ("Pulp Fiction") präsentiert den Kinozuschauern seine Version des 2. Weltkrieges...
Zweiter Weltkrieg. Hitler. Goebbels. Ein SS-Offizier. Eine jüdische Kinobesitzerin. "We're gonna be doing one thing, and one thing only: killing Nazis!", proklamierte der von Brad Pitt dargestellte Nazijäger im Trailer. . Tarantino wäre jedoch nicht Tarantino, wenn er dem Stoff nicht seine persönliche Note verleihen würde. Man kann sogar schon so weit gehen, zu behaupten, der Kultregisseur würde bewusst mit der thematisch bedingten Erwartungshaltung des Publikums spielen, indem er letztendlich an allen Ecken und Enden Unerwartetes anbietet.

Generell lässt sich festhalten, dass es sich bei "Inglourious Basterds" um keinen reinen Kriegsfilm handelt. Vielmehr kann man den Streifen als Spaghettiwestern – inklusive einiger Verbeugungen vor dem Schaffen Sergio Leones –, der im Zweiten Weltkrieg spielt, einordnen. Doch selbst die Historie jener zeitlichen Periode von 1939–1945 ist vor Tarantino nicht sicher. Er nimmt sich alle Freiheiten, die ihm das Kino zu bieten hat, und entwirft seinen ganz eigenen Krieg. Statt "Operation Walküre" heißt es "Operation Kino": der Schlüssel zum Sieg über den Faschismus.

Tarantinos in fünf Kapiteln erzählter Film umfasst mehrere Handlungsstränge, die im letzten Akt zusammenlaufen. In der zu Recht viel gelobten Anfangssequenz wird mit SS-Standartenführer Hans Landa, genannt "Judenjäger", der einprägsamste Charakter des Films eingeführt, welcher auf der einen Seite durch seine Intelligenz und auf der anderen Seite durch seine Kaltblütigkeit besticht. Die Jüdin Shosanna Dreyfus kann ihrem "Jäger" jedoch entkommen und sich in Paris unter neuer Identität als Kinobesitzerin eine Existenz aufbauen. Sie schwört Rache an den Nazis. Lt. Aldo Raine, ein US-Amerikaner mit indianischen Vorfahren, der eigens eine jüdische Truppe aufgestellt hat – die titelgebenden "Inglourious Basterds" –, macht derweil Jagd auf Nazis. Die "Basterds" gehen dabei nicht weniger zimperlich als die Gegenseite zu Werke. In Shosannas Kino mündet der Plot bei der Uraufführung des fiktiven Propagandafilms "Stolz der Nation" in Anwesenheit der ranghöchsten Nationalsozialisten sowie der "Basterds", unterstützt durch die deutsche Schauspielerin und Spionin der Alliierten Bridget van Hammersmark, schließlich in ein furioses Finale.

Der Star des Films ist kein Geringerer als der österreichische Schauspieler Christoph Waltz, der über sich hinauswächst und aus dem sehr gut aufspielenden Cast mühelos hervorstechen kann. Seine Darstellung Hans Landas, dessen Figur sich einen Platz unter den besten Filmbösewichtern aller Zeiten gesichert haben dürfte, brachte ihm bereits die Auszeichnung als "Bester Darsteller" bei den Internationalen Filmfestspielen von Cannes ein.

Übliche Muster Tarantinos lassen sich auch in "Inglourious Basterds" erkennen, so untypisch der Film auf den ersten Blick erscheinen mag. Wenig verwunderlich ist der Film nicht frei von Gewaltszenen. Diese werden zwar wohldosiert verwendet, doch wenn es zur Sache geht, dann richtig, weshalb man die FSK 16 zweifelsohne infrage stellen kann. Der Kultregisseur bleibt seiner Linie treu, indem er auch weiterhin nicht mit pointierten Dialogen geizt; vielmehr machen diese einen Großteil der Laufzeit aus. Als komödiantisches Highlight kann die Szene im Premierensaal angesehen werden, in der ein herrlich komischer Brad Pitt (Raine) vor dem mehrsprachig begabten Hans Landa mit seinen Italienischkenntnissen "brillieren" darf.

"I think this just might be my masterpiece", so die letzten Worte Lt. Aldo Raines, bevor der Abspann einsetzt. Der gewiefte Kinozuschauer merkt an dieser Stelle freilich, dass es in Wirklichkeit Tarantino ist, der hier Brad Pitt für sich zum Publikum sprechen lässt. So unbescheiden dieser Ausspruch auf den ersten Blick auch klingen mag: Ganz von der Hand zu weisen, ist er nicht. Das neueste Werk Tarantinos ist schlicht und ergreifend zu gut, als dass sich pauschal sagen ließe, es könne dem Vergleich mit dem restlichen Oeuvre des Regisseurs nicht standhalten. Den Titel "Film des Jahres" wird sich "Inglourious Basterds" jedenfalls kaum noch nehmen lassen können.
Bildquelle: © Universal
4. Februar 2012 17:57 Uhr