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Kino

Horst Schlämmer-Filmkritik

Sebastian-Oliver Z
24. August 2009 13:34 Uhr
181 Kommentare
Endlich ist Horst Schlämmer, stellvertretender Chefredakteur vom Grevenbroicher Tagblatt, im Kino. Mit seiner Komödie im Superwahljahr, "Isch kandidiere!", mischt Hape Kerkeling alias Horst Schlämmer ohne Gnade die deutsche Politikszene auf. Der Weg zum Bundeskanzler ist schwer, aber amüsant.
Nein! Nicht hinter jeder Abkürzung steht eine Partei. Aber Horst Schlämmer hinterfragt gnadenlos alle Probleme, welche die Wähler interessieren könnten. Da kann es schon passieren, dass der Geschäftsführer der real existierenden Königlichen Porzelanmanufaktur Berlin (KPM) versehentlich für einen "gefährlichen Kommunistenparteiführer" gehalten wird. Aber um Licht in die finstere Politik zu bringen, muss Herr Schlämmer für den Bericht im Grevenbroicher Tagblatt erstmal jede Partei genau beleuchten. Mit fortschreitender Recherche fällt ihm jedoch auf, dass die Politik versagt! Jetzt beschließt er, die Sache selbst in die Hand zu nehmen, eine eigene Partei zu gründen und Bundeskanzler zu werden.

Es dauert 27 Minuten, bis Horst Schlämmer diesen Gedanken fasst. Immerhin ist schon ein Drittel des Films Geschichte, wobei jetzt erst der eigentliche Hauptteil beginnt. Hape Kerkeling versteht es treffend, das politische Wirrwarr und die vielen nichtssagenden Reden der Politiker aufs Korn zu nehmen.

NRW-Ministerpräsident Jürgen Rüttgers hat ebenfals einen Kurzauftritt, den er betont geduldig und eigentlich sogar ganz witzig ableistet. Kein Wunder, dass man mancherorts schon annahm, Horst Schlämmer kandidiere wirklich und leibhaftig. Aber Entwarnung - alles ist nur ein Film, mit geradezu filigraner Liebe zum Wahlkampfdetail.

Simon Gosejohann in der Rolle des Praktikanten und Horst Schlämmers Gehilfe kommt nie richtig zur Geltung und wirkt während des gesamten Filmes wie ein Laiendarsteller. Auch Skandalrapper Bushido hat ein kleinen Auftritt und scheint die Parodie seiner selbst zu sein. Fast erschreckend, wird deutlich, wie leicht man durch hohle Phrasen die Zuschauer, oder in diesem Fall die Zuhörer, verdummen und einlullen kann, wenn Bushido einen Werbesong für Horst Schlämmer singt.

Obwohl Hape Kerkeling neben einem großen Aufgebot an Stars aus Politik und Showbiz viele Rollen selbst übernimmt, kann er nicht restlos überzeugen. Manchmal wirkt er sogar lieblos, wie er die Rollen anlegt. Die Geschichte zum Film ist auch nicht neu, ja nicht mal in neuem Gewand präsentiert. Man hat den sprichwörtlichen "alten Besen" in altes Gewand gepackt und nur "neu" benannt - oder, anders gesagt - ein Außenseiter hat eine Idee, setzt diese mit viel Kraft um, scheitert und wird von allen verlassen. Das Happy End wirkt märchenhaft künstlich, Michael Schuhmacher kommt im Sportwagen zur rechten Zeit, um Horst Schlämmer aufs Neue zu motivieren, und aus ist der Film.


Fazit
Es wäre besser gewesen, wenn Horst Schlämmer nur ab und zu in Shows aufgetreten wäre, denn dann wäre er erfrischend witzig geblieben. Am Ende bleibt es ein typisch deutscher Klamaukfilm, bei dem der Humor über weite Teile auf der Strecke bleibt, nur ab und an darf der Zuschauer lachen. Die Idee ist zwar ganz gut, das Aufgebot an nicht nur politischer Prominenz ist beachtlich, aber Horst Schlämmer wird schnell eintönig und die Gags durchschaubar. Mal nett mit anzusehen, bleibt der Film insgesamt leider hinter den Erwartungen zurück.

Wahlplakat der HSP
Bildquelle: © Constantin Film
21. Mai 2012 17:06 Uhr