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Kino

Harry Potter und der Halbblutprinz

Michael Reinartz
14. Juli 2009 10:11 Uhr
3841 Kommentare
Lumos. Lumooooos! Hallo, kann mal jemand das Licht anschalten?! Beim Barte des Merlin: Mächtig finster geht es auch im sechsten Teil der Saga zu. Zauberlehrling Harry Potter lüftet das größte Geheimnis von Lord Voldemort - doch er zahlt dafür einen hohen Preis...
Auf die Besen, fertig, los? Bei den Potter-Filmen weiß man nie, was man bekommt. Mal gibt es harmlosen Hokuspokus. Mal wird grandiose Fantasy-Action geboten. Der aktuelle Streifen aus der Reihe kommt mit einem dreiviertel Jahr Verspätung in die Kinos. Weil sich der Filmverleih Warner von einem Starttermin im Sommer bessere Einspielergebnisse verspricht.
Verhext und zugenäht hatte so manch einer gedacht, als bekannt wurde, dass David Yates auch beim sechsten Teil Regie führen sollte (inzwischen dreht der Mann übrigens bereits am siebten Potter-Streifen). Denn Yates verfilmte auch das sechste Buch, Harry Potter und der Orden des Phönix - und traf dabei nicht jedermanns Geschmack.
Überraschung: Yates macht beim Halbblutprinzen vieles anders; ein Befreiungsschlag, Hurra! Beim Vorgängerfilm hatte er sich allzu sklavisch an die Buchvorlage gehalten und war so in die Kritik geraten, dass er einzelne Stationen nur eilig nacheinander abhakte, anstatt dem Streifen eine eigene Handschrift zu verpassen.

In Teil 6 nimmt sich Yates nun mehr künstlerische Freiheit. Das mag Hardcore-Fans verstimmen, sorgt aber dafür, dass die Handlung einfach runder wirkt. Wir sehen Harry zu Beginn des Films in einem Gewitter von zuckenden Blitzen. Die Nase blutig, das Grauen in den Augen - so lichtet ihn eine Schar von Fotografen ab. Es ist eine Rückblende. Harry hat soeben im Zaubereiministerium gegen den Dunklen Lord gekämpft. Der Schwarzmagier ist wieder da; die Zauberwelt wird fortan nicht mehr dieselbe sein.
Eine Hand legt sich beschützend um Harry Schulter. Dumbledore! Das Band zwischen dem Ober-Zauberer und seinem Lehrling ist im sechsten Teil intensiver als je zuvor. Dumbledores Geste ist zugleich ein Vorbote von dem, was auf die beiden Voldemort-Bekämpfer zukommt. Am Ende wird es Harry sein, der seine Hand schützend auf Dumbledore legt. Harry reift in diesem Film zum Auserwählten.
Schnitt und Szenenwechsel: Mit pfeilschneller Geschwindigkeit preschen schwarze Rauchschwaden durch London. Die Totesser des Dunklen Lords! Überall hinterlassen sie Chaos, Angst, Zerstörung. Dunkle Zeiten in der Welt der Magier und der Muggel - und ein genialer, actionreicher Filmauftakt!

Die Rückkehr Voldemorts zwingt Dumbledore zu schnellem Handeln. Gemeinsam mit Harry versucht er im Verlauf des Schuljahrs, einen Weg zu finden, um den finsteren Magier zu stoppen. Zu diesem Zweck tauchen er und Harry tief in seine Erinnerungen an den jungen Voldemort ein.
Rückblenden schildern, wie sich das Waisenkind Tom Riddle langsam zum dunklen Lord entwickelte. Doch ein wesentliches Puzzleteil in Voldemorts Vergangenheit fehlt Dumbledore. Um es zu finden, soll Harry jenen Mann aushorchen, der als einziger die ganze Wahrheit kennt - der neue Zaubertrank-Lehrer Horace Slughorn!
Während Dumbledore und Harry fieberhaft an Voldemorts Vernichtung werkeln, rüstet sich noch jemand für eine ganz besondere Mission: Draco Malfoy, Harrys Erzfeind, wurde vom Dunklen Lord persönlich auserkoren, etwas zu erledigen. Was? Das versucht Harry ebenfalls im Lauf des Schuljahres herauszufinden.

Neben all diesen Verschwörungen und schweren Aufgaben bleibt aber zum Glück auch Zeit für Amüsantes. Bei Harry und seinen Freunden tanzen die Hormone Samba. Fummeln und feuchte Träume sind schwer angesagt - das birgt natürlich reichlich Stoff für Gags und peinliche Momente.
Fantasy gepaart mit Teenie-Liebe - diese Kombi kam kürzlich erst mit Twilight - Biss zum Morgengrauen enorm gut an. Keine Panik: Potters Plänkeln ist wesentlich witziger und nicht so krampfig wie im Vergleichsfilm. Denn manch ein Zuschauer mag nun nörgeln, dass ihm weniger Tändelei und mehr Karacho lieber gewesen wäre.
In der Tat: Harry Potter und der Halbblutprinz bleibt in der Abteilung Action hinter dem Vorgänger. Doch die wohl dosierten Kampf- und Spannungsszenen sind dafür großartig inszeniert. Besonders elektrisierend sind eine atemlose Sequenz im Kornfeld vor dem Fuchsbau (Harry flieht vor angreifenden Totessern) und das Finale in der Horcrux-Höhle (Wer nicht weiß, was mit dieser Örtlichkeit gemeint ist, der soll sich einfach überraschen lassen).

Wie alle anderen Potter-Filme (ausgenommen der großartige dritte Teil) ächzt auch dieser Streifen unter der Last der übermächtigen Buchvorlage. Es ist nicht leicht, den komplexen Stoff in einen Film zu pressen. Nicht-Kenner der Romanreihe werden sich auch diesmal wieder über manch eine Szene wundern, deren Sinn sich nur Insidern erschließt.
Insgesamt aber schafft es David Yates beim Halbblutprinzen besser als zuvor, die Essenz der Vorlage auf die Leinwand zu transportieren. Dass dabei die eine oder andere Szene überflüssig wirkt, während andere zu schnell abgefertigt erscheinen, muss man bei diesem Franchise leider in Kauf nehmen. Wer damit ein Problem hat, soll die Bücher lesen - die sind eh um Längen besser, als alle Filme zusammen genommen.

Harry Potter und der Halbblutprinz ist das finale Kapitel vor dem großen Finale. Will heißen: Im bevorstehenden siebten Film (der übrigens in zwei Teilen in die Kinos kommt) wird richtig die Post abgehen. Teil 6 hingegen liefert lediglich die Vorbereitung auf den großen Showdown. Eine undankbare Aufgabe, die man dem Film aber nur selten anmerkt.
Der Streifen vereint zum einen die düstere Atmosphäre angesichts der Rückkehr Voldemorts und der fieberhaften Suche Dumbledores und Harrys nach einer Lücke im System der Totesser. Zum anderen lässt er Raum für private Momente, in denen es endlich mal nicht nur ums hektische Abarbeiten einzelner Buch-Stationen geht, sondern ums Wesentliche: Die Faszination der magischen Welt des Harry Potter und seinen Freunden.
Bildquelle: © Warner Bros. Pictures
8. Februar 2012 14:31 Uhr