Kino
Filmkritik: Toy Story 3
Michael Reinartz
30. Juli 2010 10:39 Uhr
124 Kommentare
Auch an Spielzeug geht der Zahn der Zeit nicht spurlos vorüber: Pixar führt die Geschichte um die Cowboy Woody und seinen Freund Buzz Lightyear konsequent zu Ende. Denn das Ende der Kindheit ihres Besitzers Andy wirft die Spielzeuge in eine tiefe Existenzkrise.
Die Stimmung ist gedrückt im Kinderzimmer. Die Zeiten, in denen der inzwischen 17-jährige Andy mit seinem Spielzeug noch spielte, sind lange vorbei. Warum auch? Schließlich geht er bald auf’s College. Die meisten seiner Spielzeuge hat er inzwischen weggegeben, nur noch die Kerntruppe um Cowboy Woody und Space Ranger Buzz Lightyear hält in einer Spielzeugkiste die Stellung. Die Moral unter den Spielzeugen ist schlecht, selbst die sonst so treuen Plastiksoldaten desertieren. Woody übt sich in Durchhalteparolen und dem Traum von einem Ruhestand auf dem Dachboden. Er möchte seinem Besitzer weiterhin zur Seite stehen.
In der Kita finden die Spielzeughelden eine neue Bleibe, doch der Schein trügt
Doch es kommt Schlag auf Schlag: Durch eine Verkettung unglücklicher Umstände landen er und die anderen Spielzeuge in dem Kinderhort Sunnyside. Die desillusionierte Spielzeugtruppe sieht hier die Chance, wieder als Spielzeug anerkannt zu werden. Scheinbar unterstützt werden sie vom Kita-Paten Lotso, der sie in den Kindergartenalltag einweiht und den Neuankömmlingen ein Zuhause bietet. Nur Woody ist unglücklich – er will zurück zu Andy. Seine Freunde jedoch wollen bleiben. Als sie jedoch merken, dass sie Lotso nur an eine Horde Kleinkinder verheizen will, ist es bereits zu spät und Woody startet einen wagemutigen Fluchtversuch.
Stimmung weniger kindlich
Vor 15 Jahren war Toy Story der erste computeranimierte Film und wurde prompt ein Erfolg. Pixar setzte eine wahre Flut an Animationsfilmen in Gang, denen vor allem die großen Filmstudios folgten. Toy Story war damals der Prototyp der Erzähltechnik, die Pixar in den folgenden Jahren immer weiter verfeinerte, die bisher in den Meisterwerken Wall-E und Oben ihren Höhepunkt fand. Schon Oben vermischte ernste Themen mit einer erzählerischen Unbeschwertheit, die zwar durchaus sentimental, aber nicht kitschig wirkt. Von dieser Entwicklung hat auch
Toy Story 3 profitiert. Wie das Grundthema des Films wirkt die Geschichte viel erwachsener, die Stimmung ist gedämpfter, manch ein Zuschauer wird auch das eine oder andere Zeichen der Resignation in den Gesichtern der Figuren erkennen. Das ist das Gesicht von Menschen, die im Inbegriff sind, ihren Lebenssinn zu verlieren.
Trotz der schwermütigen Atmosphäre findet Pixar die perfekte Balance zwischen Action, Tragik und Spaß. Die Gagpalette reicht von kleinen Schmutzlern beim Rezitieren bekannter Filmszenen (wann werden die Filmemacher müde, Mission: Impossible zu parodieren?) bis hin zu richtigen Feuerwerken an kuriosen Ideen. Gerade letztere zeigen, dass den Animatoren und Drehbuchschreibern die Arbeit an Toy Story 3 riesigen Spaß gemacht hat. Die Geschichte wirkt durchdacht und fügt sich wunderbar in die Trilogie ein und rundet sie letztendlich zu einem gelungenen Finale ab. Auch wenn der Antagonist aus vergleichbaren Motiven handelt wie sein Vorgänger aus Toy Story 2, bietet er sich einen würdigen, jedoch kindergerechten Kampf.
Die "Bully Parade" vereint
Die gute Synchronisierung ist ein weiterer Pluspunkt für Toy Story 3. Nur die Wahl, Michael ‚Bully‘ Herbig als Synchronstimme für den Cowboy Woody (im Original: Tom Hanks) einzusetzen, wirkt für Toy Story-Veteranen zunächst befremdlich. Doch während der Unterschied im zuvor veröffentlichten Trailer noch gravierend wirkte, fällt er im Film nach wenigen Minuten nicht mehr sonderlich auf. Die restlichen Synchronstimmen der Hauptdarsteller sind geblieben oder wurden unmerklich geändert. Neu in der Riege der Sprecher ist auch Christian Tramitz, der dem Playboy Ken die Stimme leiht und als selbstverliebter Metrosexueller mit Identifikationsproblemen („Ich bin kein Mädchenspielzeug!“) eine durchweg gute Figur macht. Mit Rick Kavanian ist die ehemalige Formation Bully Parade komplett. Er leiht dem Dino Rex seine Stimme.
Drei bekannte Gesichter : Herbig (Woody), Tramitz (Ken) und Kavanian (Rex)
Fazit:
Pixar hat es wieder einmal geschafft und einen Film für jung und alt gleichermaßen geschaffen. Gerade letztere werden noch lange an den Film wehmütig denken. Denn Toy Story 3 ist ein Hohelied auf die Kindheit und die Fantasie und zeigt, was mit den Figuren und Freunden unserer Kindheit geschieht, wenn man selbst beginnt, ein Leben außerhalb des Kinderzimmers zu leben. Der Kampf zwischen Selbstbestimmung und Treue kann kaum intensiver dargestellt werden als mit zweifelnden Spielzeugen, die jahrelang stumme Begleiter unseres Lebens waren und plötzlich überflüssig erscheinen. Toy Story 3 ist Nostalgie pur und damit uneingeschränkt empfehlenswert!
In der Kita finden die Spielzeughelden eine neue Bleibe, doch der Schein trügtDoch es kommt Schlag auf Schlag: Durch eine Verkettung unglücklicher Umstände landen er und die anderen Spielzeuge in dem Kinderhort Sunnyside. Die desillusionierte Spielzeugtruppe sieht hier die Chance, wieder als Spielzeug anerkannt zu werden. Scheinbar unterstützt werden sie vom Kita-Paten Lotso, der sie in den Kindergartenalltag einweiht und den Neuankömmlingen ein Zuhause bietet. Nur Woody ist unglücklich – er will zurück zu Andy. Seine Freunde jedoch wollen bleiben. Als sie jedoch merken, dass sie Lotso nur an eine Horde Kleinkinder verheizen will, ist es bereits zu spät und Woody startet einen wagemutigen Fluchtversuch.
Stimmung weniger kindlich
Vor 15 Jahren war Toy Story der erste computeranimierte Film und wurde prompt ein Erfolg. Pixar setzte eine wahre Flut an Animationsfilmen in Gang, denen vor allem die großen Filmstudios folgten. Toy Story war damals der Prototyp der Erzähltechnik, die Pixar in den folgenden Jahren immer weiter verfeinerte, die bisher in den Meisterwerken Wall-E und Oben ihren Höhepunkt fand. Schon Oben vermischte ernste Themen mit einer erzählerischen Unbeschwertheit, die zwar durchaus sentimental, aber nicht kitschig wirkt. Von dieser Entwicklung hat auch

Trotz der schwermütigen Atmosphäre findet Pixar die perfekte Balance zwischen Action, Tragik und Spaß. Die Gagpalette reicht von kleinen Schmutzlern beim Rezitieren bekannter Filmszenen (wann werden die Filmemacher müde, Mission: Impossible zu parodieren?) bis hin zu richtigen Feuerwerken an kuriosen Ideen. Gerade letztere zeigen, dass den Animatoren und Drehbuchschreibern die Arbeit an Toy Story 3 riesigen Spaß gemacht hat. Die Geschichte wirkt durchdacht und fügt sich wunderbar in die Trilogie ein und rundet sie letztendlich zu einem gelungenen Finale ab. Auch wenn der Antagonist aus vergleichbaren Motiven handelt wie sein Vorgänger aus Toy Story 2, bietet er sich einen würdigen, jedoch kindergerechten Kampf.
Die "Bully Parade" vereint
Die gute Synchronisierung ist ein weiterer Pluspunkt für Toy Story 3. Nur die Wahl, Michael ‚Bully‘ Herbig als Synchronstimme für den Cowboy Woody (im Original: Tom Hanks) einzusetzen, wirkt für Toy Story-Veteranen zunächst befremdlich. Doch während der Unterschied im zuvor veröffentlichten Trailer noch gravierend wirkte, fällt er im Film nach wenigen Minuten nicht mehr sonderlich auf. Die restlichen Synchronstimmen der Hauptdarsteller sind geblieben oder wurden unmerklich geändert. Neu in der Riege der Sprecher ist auch Christian Tramitz, der dem Playboy Ken die Stimme leiht und als selbstverliebter Metrosexueller mit Identifikationsproblemen („Ich bin kein Mädchenspielzeug!“) eine durchweg gute Figur macht. Mit Rick Kavanian ist die ehemalige Formation Bully Parade komplett. Er leiht dem Dino Rex seine Stimme.
Drei bekannte Gesichter : Herbig (Woody), Tramitz (Ken) und Kavanian (Rex)Fazit:
Pixar hat es wieder einmal geschafft und einen Film für jung und alt gleichermaßen geschaffen. Gerade letztere werden noch lange an den Film wehmütig denken. Denn Toy Story 3 ist ein Hohelied auf die Kindheit und die Fantasie und zeigt, was mit den Figuren und Freunden unserer Kindheit geschieht, wenn man selbst beginnt, ein Leben außerhalb des Kinderzimmers zu leben. Der Kampf zwischen Selbstbestimmung und Treue kann kaum intensiver dargestellt werden als mit zweifelnden Spielzeugen, die jahrelang stumme Begleiter unseres Lebens waren und plötzlich überflüssig erscheinen. Toy Story 3 ist Nostalgie pur und damit uneingeschränkt empfehlenswert!
Bildquelle: © Walt Disney Pictures / Pixar
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