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Kino

Filmkritik: JCVD

Dirk Apitz
28. Juli 2009 23:00 Uhr
103 Kommentare
Jean-Claude Van Damme in der Rolle seines Lebens. Nein, wir sprechen nicht von der Rolle eines genmanipulierten Supersoldaten oder der eines bösen Zwillingsbruderpäarchens. Jean Claude spielt diesem DVD-Film sich selbst - und diese Ehrlichkeit steht ihm gut.
Mit was für Erwartungen geht man eigentlich an einen Film ran, wenn der Hauptdarsteller zwar in etlichen Filmen mitwirkte, aber dort nie wirklich schauspielerte? Mit was für Erwartungen soll man ran gehen, wenn van Damme eine ernste Rolle spielt und dazu noch sich selbst? Genau man geht mit gar keiner ran, im Gegenteil, man wird eher skeptisch. Also DVD reingelegt und das Beste hoffen.

In der USA hat Damme den Sorgerechtstreit um seine Tochter verloren. Sie wurde vor allen in der Schule gehänselt - wegen ihrem Vater. Seine Ex-Frau findet auch, das seine Filme zeigen würden, was für ein Vater er sei. Um es kurz zu fassen: Der Mann hat verloren und kommt Pleite in Brüssel an, seiner Heimat. Als er dort Geld abheben wollte, konnte er ja nicht ahnen, das diese Bank ausgeraubt wird. Zack! Schon gehört er zu den Geiseln. Vor der Bank stehen schon Fans und Polizisten. Die Räuber kommen auf die Idee, JCVD mit vorgehaltener Waffe zu zwingen sich als Gangster aus zu geben. Als ob das nicht reicht muss er auch noch die Forderungen stellen. Natürlich fragen sich auch die Leute wie es so weit kommen konnte mit Van Damme. Er hat ganz andere Probleme, denn er hat Angst, dass es sein letzter Tag sein könnte. Man kann abschließend sagen: Das war nicht sein Tag! Also eine gute Möglichkeit noch einmal über sein Leben nach zu denken und zu sprechen.

Regisseur Mabrouk El Mechri führte die Regie. Er holte wirklich alles aus dieser Situation raus. Die gute Situationskomik und die vielen Seitenhiebe zeigen deutlich, was JCVD mit diesem Film will. Der Film fängt ironisch an und so zieht es sich auch durch den ganzen Film. Als er zugeben muss seine neue Rolle an Stevan Seagal verloren zu haben fragt ihn auch ein Fan (der Van Damme für den besseren hält): "Warum?" Die Antwort ist ganz klar: "Weil er sich den Pferdeschwanz abgeschnitten hat!" Solche lakonischen Antworten findet man auch sehr oft im Film und Seagal-Kenner wissen auch was gemeint ist. Im Übrigen ist der angesprochene Fan einer der Gangster!

Ein weiterer Seitenhieb ist die Tatsache, dass die spontane Einsatzzentrale sich in einer Videothek befindet. Doch die Regie lässt solche Jokes nicht zu vor kommen. Das Drehbuch ist auch sehr gut und setzt vor allen auf natürliche Gespräche. Der Film erzählt die Geschichte auch nicht in chronologischen Episoden was man von Tarantino gut kennt.

Ein Kritikpunkt ist aber der, dass man die Close-Up Einstellungen zu oft nutze gar schon übertrieben. Als schönen Effekt kann man das zwar nutzen, aber man hat oft das Gefühl das die Kamera schon am Gesicht klebt.

Nun zur der wohl zur wichtigsten Frage. Kann Jean-Claude Van Damme schauspielern? Macht er das wirklich? Ja, Van Damme schauspielert und das richtig gut! Da fragt man sich ernsthaft, warum man ihn nicht schon früher mal in einer richtigen Rolle nimmt. Und wie er das macht. Der Typ spielt sich einfach selber, das ist eigentlich immer ein Kritikpunkt beim Schauspiel. Aber hier spielt er sich mit einer gewissen Portion Humor. Sicherlich kommt ist es auch für ihn ein Vorteil, dass man diesmal in seiner Sprache den Film drehte.

Er nimmt seine frühen Werke auf die Schippe und seine Taten im Privatleben. Er nimmt das ganze Business auf die Schippe. Die beste Szene, ist ein Monolog, den Jean komplett improvisiert. Dort lässt er sein ganzes Leben noch einmal an sich vorbei gehen. Er spricht dabei sehr viel über Hollywood und seinen Erfolgen. Er glaubt nicht das er was damit erreicht hat. Er spricht von seinen Ehen und davon, dass Ruhm nicht gleichzeitig Glück bedeutet oder glücklich macht. Er erzählt unter Tränen, das er glaubt nicht mehr aus diesem Szenario raus zu kommen und das die Brutalität in der Realität ganz anders aussieht als in seinen Filmen. Das Ganze ist genial! Manche sagen sogar:"Das muss man gesehen haben!"

Fazit: El Machri ist mit "JCVD" ein kleines Kunstwerk gelungen. Viele Querverweise aber dennoch zielsicher erzählt der Film von den guten Seiten des Stars - aber auch von den schlechten Entscheidungen seines Lebens. Der Film erzählt von Fans und davon, dass die Stars genau so normale Menschen sind. Eine Hommage an sich selbst, wer hätte das mal Jean-Claude Van Damme zugetraut?
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redakteur
7. Februar 2012 10:22 Uhr