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Digital

Politworld: Politunterricht mal anders

Peter Bellmann
20. August 2010 17:31 Uhr
50 Kommentare
Auf der Gamescom gibt es ja bekanntlich nicht nur AAA-Titel wie Call of Duty, Mafia II und Crysis 2. Studenten der UNI Paderborn arbeiten seit einem Jahr an einem Independent-Game, welches den Politikunterricht an Schulen spaßiger und anschaulicher gestalten soll.
Viele Schüler haben es entweder in Erinnerung oder durchleben diesen Albtraum gar Woche für Woche: Den Politikunterricht. So kommt es schon mal öfter vor, dass mehr auf kleine Zettel für den Nachbarn geschrieben wird, als in den Hefter. Ein paar Studenten der UNI Paderborn sind sich diesem Problem bewusst geworden, haben der Langeweile im Unterricht den Kampf angesagt und haben mit Politworld ein wirklich aussichtsreiches Projekt in der Pipeline.

Politworld ist zwar, grafisch betrachtet, ein sehr einfaches Runden-Strategiespiel, bietet jedoch auch eine ungeheure Komplexität und Flexibilität. Flexibilität? Ja, denn Politworld soll, wenn es fertig ist, in Deutschlands Schulen und Gymnasien zum Einsatz kommen. Ein Testprojekt ist bereits an einem Gymnasium mit Erfolg durchgeführt wurden.


Fernsehbeitrag über das Projekt

Außen einfach - Innen komplex
Am Anfang stellt sich jeder Schüler / Spieler seinen eigenen Staat zusammen. Aus Fragen wie "Ich bin...Monarch / Präsident" wird am Ende eine finale Staatsform ermittelt. Diese hat auch Einfluss auf die Hauptindikatoren des Spiels - dazu später mehr. Wer sich einmal getraut hat, hinter die relativ einfache Grafik zu schauen, wird auf ein komplexes System von Abläufen und Aufgaben stoßen. So gibt es für die Spieler, beziehungsweise Schüler, Challenges und Events. Während Challenges eher Aufgaben darstellen, welche man langfristig angehen muss, stellt man die Events in Frage- und Antwortform dar. Hier haben sich die Entwickler allerhand einfallen lassen, und manch einem werden Themen wie "Steuersünder-CDs" und "Kaintology" bekannt vorkommen. Ein Beispiel: Die Bürger beschweren sich über die Sekte Kaintology, da man nicht viel über ihre Tätigkeiten weiß und man vermutet dass sie Verfassungsfeindliche Absichten hegt. Allerdings sollte man in seine Erwägungen auch mit einbeziehen, dass in dieser Sekte einige prominente Personen tätig sind. So kann man sich nun entscheiden. Entweder man unternimmt nichts, riskiert dabei jedoch die Unzufriedenheit der Bevölkerung, man verbietet die Sekte und läuft Gefahr das manch prominenter gegen diese Entscheidung Stimmung macht oder man lässt bekannt geben, dass man die Sekte vom Verfassungsschutz überwachen lässt. Dies hat wiederum Auswirkungen auf viele verschiedene andere Indikatoren. Ziel des Spieles ist es letztendlich, die verschiedenen Hauptindikatoren wie Zufriedenheit, Fortschritt, Lebensqualität, Umwelt und Wirtschaft auf ein hohes Level zu geben. Auch Militär gibt es im Spiel. Doch ist die Kriegsführung erst später zugänglich und erfordert ein Höchstmaß an Einsatz - finanziell sowie managementmäßig.

Zur Verbesserung oder Verschlechterung der Indikatoren, führen auch die sogenannten Maßnahmenpakete. Diese ruft man in den verschiedenen "Gebäuden" auf der Landeskarte auf. So gibt es ein Gebäude für Soziales, Ökologie, Wirtschaft, Feedback (vom Volk in Textform) Kultur, Inneres und Sicherheit, Militär, sowie Forschung und Bildung. Will man etwa den Umweltindikator erhöhen, könnte man beispielsweise Umweltplaketten einführen. Dies wäre einerseits gut für die Umwelt, aber ein wenig hinderlich für den Fortschritt. Man hat pro Spielrunde nur eine bestimmte Anzahl von Geld und Punkten die man ausgeben kann. Sind diese verteilt (ausgegeben), muss der Spieler darauf warten, dass der Admin (Lehrer) eine neue Runde startet. Auch sollte man beachten, dass das ganze Spiel auf Multiplayer (in Schulklassen) ausgelegt ist. So haben die Entwickler eine Möglichkeit eingebaut, dass man ganze virtuelle politische Sitzungen und Abstimmungen abhalten kann. Etwa zum Thema Atomstrom und Klimaerwärmung. In diesen Sitzungen können alle Spieler beispielsweise ein gemeinsames Ziel festlegen, was gemeinsam erreicht werden soll. Sogar Nachrichtensendungen kann man einrichten. Wenn nun ein Spieler einen Krieg beginnt, ein Bündnis abschließt oder ähnliches, wird eine virtuelle Nachrichtensendung via Beamer an die Klassenwand gestrahlt, die alle von den aktuellen Ereignissen berichtet.

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Man sieht schon, hinter dem Spiel steckt mehr als bei einer 0815-Produktion. Dabei war das geschilderte Beispiel noch ein einfaches. Später kommen dann noch Spionage, Militär- und Forschungsbündnisse (erfordert internationale Forschungsstation) dazu, komplexe Frage in Umweltpolitik und Co, sowie vieles mehr. Aber egal wie man es versucht zu beschreiben: Dieses süchtig machende Lernspiel muss man am besten selbst ausbrobieren. Der Prototyp von Politworld ist zur Zeit auf der Gamescom anspielbar. In Halle 8, bei Stand C42 anspielbar. Unter der Flagge von Game Studies NRW. Gefördert wird das Projekt von der Bundeszentrale für politische Bildung und die Entwicklung erfolgt ausschlieslich von Studenten der UNI Paderborn. Diese werden von Jörg Müller-Lietzkow betreut. Nähere Informationen über das Projekt erhält man zudem hier.
17. Mai 2012 22:43 Uhr